Mit ihren schwar­zen Schlag­hosen, Westen und großen Hüten sehen sie aus wie aus einer ande­ren Zeit – und fallen in jeder Stadt sofort auf: Die Hand­werks­gesellen auf der Walz. In der tra­ditio­nellen «Kluft» wandern die jungen Männer (und auch ein paar wenige Frauen) durch ganz Deutsch­­land, immer auf der Suche nach Arbeit.

Nach der Lehrzeit sind früher viele Hand­werks­gesel­len auf die Walz gegan­gen. Noch heute gibt es Tippel­brüder, die zu Fuß durchs Land reisen.

Diese Wander­schaft ist ein jahr­­hun­der­te­­alter Brauch. Nach Ende der Lehr­­zeit mach­­ten sich frü­her frisch­­ge­­backene Gesel­len, daru­n­ter Zim­­me­­rer, Dach­­decker, Maurer, Stein­­metze und Tisch­­ler, auf Wan­der­­schaft, um ihre Kennt­­nisse zu erwei­­tern. Als Frei­rei­sende oder orga­ni­siert in über­ge­ord­neten Ver­ei­ni­gun­gen, den soge­nannten Schäch­ten, zogen die Hand­werker durch die Lande und hiel­ten immer wieder für ein paar Monate bei einer Bau­stelle.

Ein paar wenige Hundert gehen auch heute noch auf die Walz und be­ach­ten dabei die stren­­gen Regeln. Unter an­de­rem dürfen Wan­derer nur zu Fuß oder per An­hal­ter fahren, müssen min­des­tens drei Jahre und einen Tag unter­wegs sein und dür­fen während dieser Zeit nicht näher als 50 Kilometer an ihren Heimat­ort heran­kom­men. Die Reise­kluft gehört eben­falls zur Walz und zeigt die Verbun­den­heit mit dem Beruf und der Tra­di­tion. Nach der Tippe­lei kön­nen die Gesel­len dann die Meister­prüfung ablegen.

Mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs.

Übrigens:  In der Walz entstand auch die Redensart „Ein Schlitzohr sein„. Früher hat­ten viele Wander­gesel­len einen Ohr­ring. Wurden sie kri­mi­nell, riss man ihnen den Ohr­ring heraus, sodass jeder sehen konnte, dass sie ein „Schlitz­ohr“ waren.

  • Quelle:   Artikel von Katrin Seidelmayer, erschienen im Delmenhorster Kreisblatt am Dienstag, 11. Oktober 2011
Drei Jahre auf Wanderschaft

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