Herzlich Willkommen. Begleite mich für einige Tage auf dem französischen Jakobsweg von Lyon nach Le Puy-en-Velay.

Tag 5 – Mittwoch, 26.9.2012
La-Chapelle-en-Lafaye • Usson-en-Forez, 13,5 km
3:16 h | 420 Hm | 4,1 km/h
Gesamtstrecke seit Start:    132,5 km

Da gibt es einiges zu erzählen. Vor allem handelt es von Rot­käp­chen, Danny de Vito und Regen­trop­fen. Ganz vie­len Regen­trop­fen. Fange ich aber erst einmal vorne an.

Heute war es eindeutig, wann mein Tag begann. Ich hatte den Wecker im Smart­Phone auf acht Uhr gestellt. Kurz vor dem Weck­ruf war ich wach. Passt. Ruck­sack packen, Zehen ver­sor­gen. Und Früh­stück. Besteht aus Brot, Käse und Wasser, frisch aus mei­nem Ruck­sack­vor­rat gezapft. Es gibt ein Pil­ger­buch. Noch einen Ein­trag machen. Schwupp, ist es 10 Uhr.

Das Thermometer an der Hauswand von gestern ist heil. Jetzt zeigt es 10 Grad C. an. Nicht aus zu den­ken ich wäre frü­her gestar­tet. Schnell noch den bellen­den „Walter“ verab­schie­det. Herr Polly ver­ab­schie­det mich per Hän­de­druck und ver­sichert mir in ver­mut­lich ein­wand­frei­em Fran­zö­sisch, dass ich bereits in St-Georges-­Lagrcol und tags darauf in Le Cros erwar­tet werde. Toll. Sehr auf­merk­sam von ihm dort an­zu­ru­fen. Soll ich ihm jetzt wirk­lich erklä­ren, dass ich die Alter­nativ-­Route über den GR3 nehmen und nie­mals dort an­kom­men werde? Besser nicht. Alle sind gerade glück­lich.

Es ist nur ein Kilometer bis zum näch­sten Ort. Durch den Wald berg­an. Hatte Herr Polly ges­tern nicht ein­gehend er­klärt, es sei vor­bei mit berg­auf. Jetzt gebe es nur noch ab­wärts. Resuemee: auch einem Her­bergs­vater kann man nicht trauen. Oder?

Dann komme ich nach Montarcher. Keine Menschen zu sehen. Bei der Marie, der Ver­wal­tung, brennt Licht. Aber auch hier sind kei­ne Men­schen zu sehen. Beein­­druckend em­pfin­de ich den Ort. Alle Häu­ser sind in ei­nem ein­wand­freien Zu­stand. Erin­nert ein wenig an ein Museums­dorf, aus frühe­ren Zei­ten. Neben der geöff­neten Kir­che gibt es ein Podest für ei­nen tol­len Rund­umb­lick. Kodak-­Point, würde meine Frau jetzt sa­gen. Und es gibt nicht nur einen davon.

Als ich weiter will zeigt die Uhr 12. Ich starte jetzt mit Regen­klei­dung. Gut abge­passt. Es beginnt zu reg­nen. Und es soll nicht wieder auf­hö­ren. Es hätte schlim­mer kom­men können, ich hätte im Re­gen star­ten müssen. Im Kampf mit Wind, Kälte und Regen­trop­fen ver­passe ich den Ab­zweig für die Weg­varian­te. Zurück gehen wäre unsport­lich. Also hat sich mein Weg nun eben geändert.

Auf der über Kilometer abwärts führenden Teer­strasse stehen an Rand zwei Off­road-­Fahr­zeuge. Keine Menschen­seele zu sehen. Einige Ki­lo­meter weiter steht wieder solch ein ein­sa­mes Fahr­zeug. Fünf Minuten später gibt es dann doch noch ei­nen mensch­lichen Kon­takt. Er erin­nert mich auf Ent­fer­nung sogleich an Rot­käpp­chen. Wenn­gleich er eine Regen­mütze trägt. Beim Näher­kom­men wechselt der Ein­druck eher zum Frosch­könig. Dann steht tat­säch­lich Danny DeVito vor mir. In ein­wand­frei­em Fran­zö­sisch erklärt er mir, dass er Pilze sam­melt. Diese stün­den momen­tan hoch im Kurs. Der Kilo­preis sei enorm gestie­gen. Auf meinen Finger­zeig hin auf sein über den Arm getra­ge­nen Körb­chens zeigt er mir seine ge­sam­mel­ten Werke voller Stolz. Natürlich habe ich nichts ver­stan­den. Aber genau das könnte <em>er</em> mir gesagt haben. Hätte er mich ver­ste­hen kön­nen, ich hätte ihm die besten Plätze seiner gesuch­ten Schät­ze ver­ra­ten kön­nen. Leider wird das erst bei unse­rem näch­sten Tref­fen mög­lich sein. Viel­leicht spreche ich dann mehr fran­zö­sisch, als er jetzt eng­lisch oder deutsch.

Der Weg im Regen läuft nur so unter mir her. Nach drei Stun­den fühlt es sich so lang­sam auch unter dem Regen­pon­cho feucht an. In der nächs­ten Ort gibt es etwas zu es­sen. Wie der Ort heißt, weiß ich natür­lich nicht. Ein Orts­ein­gangs­schild gibt es nicht.

Tag 5 – 26.9.2012, von La-Chapelle-en-Lafaye nach Usson-en-Forez

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