Herzlich Willkommen. Begleite mich für einige Tage auf dem französischen Jakobsweg von Lyon nach Le Puy-en-Velay.

Tag 6 – Donnerstag, 27.9.2012
Usson-en-Forez, 0 km
0:00 h | 0 Hm | 0 km/h
Gesamtstrecke seit Beginn:
132,5 km   (unverändert)

Der Tag ist gut. Ich scheine ausgeschlafen zu sein. Spüre keine nennenswerte Schmerzen oder Druckstellen. Es regnet nicht. Der Blick aus dem Fenster führt in die Weite. Ein fetter, kurzer Regenbogen zeigt sich neben einer Vielzahl verschiedener Formationen von Wolken. Alle dazu geeignet, sich üppig aus zu regnen. Sonnen­strahlen werfen ihr Licht auf die ocker-farbenden Hauswände und Dächer, und schaffen dadurch eine tolle Herbststimmung.

Jetzt runter zum Frühstück. Bezahlen. Ich rechne gesamt mit ca. 70 Euro. Umziehen, und dann zurück auf die Straße. Die anderen Gäste haben bereits gefrühstückt. Man erkennt es an den nicht abge­räum­ten Tischen. 3+1. Fehle nur noch ich.

Das Frühstück kommt auf einem Tablett. Tee und Orangensaft. Mit Fruchtstücken. Toll. Knuspriges Baguette und Marmelade. Waldfrucht. Hatte er mir meinen Geschmack angesehen? Und noch eine Frage stellt sich mir: trinkt man in Deutschland CeylonTea eigentlich auch mit aufgeschäumter Milch?

Lauthals hatte ich gegenüber dem Hotelier angekündigt, ich werde vor dem Mittagessen mir ein bis zwei Stunden die Füsse vertreten. Den Ort anschauen. Das Wetter ist jetzt gut. Ein richtig sonniger aber kühler Herbsttag. So wie man ihn eigentlich eher Mitte November erwartet hätte. Und das hier im Süden Frankreichs? Jetzt verstehe ich, warum sich der Postbeamte in Willkommen bei den Sch’tis nicht in den Norden versetzen lassen wollte. Wie muss es dort jetzt erst sein? Winterstürme? Eiszeit?

Wie auch immer. Jetzt will ich für ein Stündchen raus an die frische Luft. Der sonnige Herbsttag ruft nach mir. Erst jetzt fällt es mir auf! Als ich mich im Rausch meines heutigen Glücksgegühls entschied, mir großzügig einen Pausentag zu genehmigen, hatte ich Hemd, Shirt, Socken und Fleece gewaschen und am offenen Fenster zum Trocknen aufgehängt. An den Füßen war es mir für die FlipFlops zu kalt. Ersatzsocken habe ich bei. Da ich mit den Socken jedoch nicht in die FlipFlops komme, die Socken lassen die Halteschlaufe am großen Zehen nicht zu, entscheide ich mich für die Wanderschuhe. Merke: Trotz höheren Gewichts das nächste Mal um diese Jahreszeit keine FlipFlops, sondern anständiges Alternativ-Schuhwerk einpacken!

Ich schreibe diesen Text in meinem Zimmer. Überraschenderweise gibt es hier jetzt doch eine WLAN-Verbindung. Ich schreibe bei offenem Fenster. Damit die Wäsche trocknen kann. Meine Finger sind inzwischen eiskalt. Dann zeigt sich das unabwendbare Problem. Ich hatte mein Fleece gewaschen. Das einzige wärmende Oberteil. Verdammt. Hätte ich statt fünf Litern Flüsigkeit *) doch besser eine warme Jacke eingepackt.

Irgendwas ist eben immer.

Tag 6 – 27.9.2012, Pause in Usson-en-Forez

Kommentar verfassen