Urlaub. Reisen. Auszeit.

Scheinbar können viele Mens­chen unsere Pläne nicht ein­ord­nen und sich nicht vor­stel­len, was wir da eigent­lich vor­haben. Wir selbst auch nicht wirk­lich.
Nun, wir ken­nen den Start­punkt, fol­gen einem mar­kier­ten Weg durch Deutsch­land, Frank­reich und Spanien. Wir haben in den zurück­lie­gen­den Jahren Erfah­run­gen gesam­melt auf verschie­denen Jakobs­wegen, und wir kennen unse­ren Ziel­punkt. Ins­be­son­dere sind wir offen für die Dinge, die auf unse­rem Weg auf uns zukom­men werden. Nicht zuletzt die Frage nach dem «Warum» wer­den wir wohl erst später beant­­wor­­ten können.

Urlaub. Reisen. Auszeit. Und wo bitte ist der Unterschied ?

Häufig werden uns Fragen gestellt, wie bei­spiels­weise die, ob wir jede Nacht im Hotel über­­nach­ten würden. Natür­­lich könnte man ein Back­­packer Hostel auch als Hotel bezeich­­nen, aber preis­­lich macht es doch einen großen Unter­­schied. Wir tragen ein Zelt mit uns und hoffen auf Schlaf­ge­legen­heiten, freuen uns über sie, wie sie sich auch erge­ben werden mögen. Natür­lich kann man auch nicht voraus­­setzen, dass jeder eine Vor­stel­­lung davon hat, wie man unter­­wegs ist. Viele denken viel­­leicht, wir machen einfach einen langen Urlaub und haben im Hinter­­kopf, wie sie selbst auf Urlaubs­­reisen unter­­wegs sind.

Reisen ist anders als Urlaub   – und –
man muss nicht gleich aus­wan­­dern, wenn man für eine län­gere Zeit verreist.

Urlaub

« Was Urlaub ist, weiß jeder. Meistens hat man dafür maximal 2-­3 Wochen am Stück Zeit, fährt dann irgend­wo hin, wo das Wetter schön ist und erholt sich ent­weder durch Nichts­tun und Verwöhnt­werden in einem All-Inclusive- oder Pauschal­hotel, macht Sight­seeing, indem man sich in der gege­benen Zeit mög­lichst viel anschaut oder macht Aktiv­urlaub, um einen körper­lichen Aus­gleich zur beruf­lichen Tätig­keit zuhause zu haben. »

Reisen

« Wer reist, braucht mehr Zeit. Zum einen, weil er auch mal eine Weile an einem Ort bleibt und zum an­de­ren, weil er die im Reise­führer beschrie­benen Strecken hin und wieder verlässt. Manche Dinge oder Orte erschlie­ßen sich einem erst, wenn man sie länger beo­bach­tet, mit Menschen spricht und oft erlebt man, dass die Sehens­würdig­keiten eines Landes das eine, die Menta­lität der Men­schen und wie sie leben, etwas anderes ist, das man erst nach einer Weile begreift. »

« Der Reisende bewegt sich in der Regel auch anders oder lang­samer fort als der Urlau­ber. Da er mehr Zeit hat, kann er Stre­cken fahren statt zu fliegen und kann es sich leisten, einen halben Tag auf den näch­sten Überland­bus zu warten anstatt mit dem orga­ni­sierten Reise­bus direkt zur näch­sten Sehens­würdig­keit zu fahren. Beides hat Vor- und Nach­teile und je nach Vor­liebe, zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zeit und finan­zieller Mittel wählt man eben die Fahrt mit dem lang­samen Bus, während der man viel­leicht mit Ein­hei­mischen ins Gespräch kommt oder zumindest interes­sante Beo­bach­tungen machen kann oder man hat eine orga­ni­sier­te Rund­reise gebucht, bei der man mit anderen Touris­ten unter­wegs ist und garan­tiert alle ange­ge­benen Sehens­würdig­keiten in der gebuch­ten Zeit gesehen haben wird. »

Das gilt natürlich auch für das Reisen mit dem Rucksack – unterwegs – zu Fuß. Wir haben uns vor­genom­men jeden Meter und Kilo­meter unseres Weges zu Fuß zurück zu legen. Keinen Bus. Keinen Zug. Kein Auto. Und wenn es einmal unaus­weich­lich erfor­der­lich werden sollte, so beginnt am näch­sten Tag unser Weg wieder dort, wo wir ihn tags zuvor verlas­sen haben.

« Beim Reisen steht nicht so sehr der Erholungsfaktor im Vorder­grund wie beim Urlaub. Es ist nicht so wichtig, dass man in einem schö­nen, kom­for­tablen Hotel unter­kommt und morgens ein volles Früh­stücks­buffet vor­fin­det. Es geht darum, die Region oder das Land zu erle­ben, die Gepflo­gen­heiten mit­zu­bekom­men, zu probie­ren, was die Leute essen und trinken. »

Auszeit

« Wer sich eine Auszeit nimmt, hat in der Regel zumin­dest vor, die näch­sten Monate nicht nach Hause zu kommen und kann aus­ge­dehnte Reisen unter­nehmen. Der Faktor Zeit ist zweit­rangig. Man kann also auch einmal einige Zeit an einem Ort blei­ben, wenn es einem gefällt, eine Pause vom Rei­sen machen, um z.B. eine Sprache oder eine Sport­art zu lernen. Für eine lange Reise lohnt es sich auch, in eine gute Aus­rüs­tung zu inves­tie­ren oder z.B. ein Auto für die Reise zu kaufen statt zu mieten. Normaler­weise hat man vor, nach einer bestimmten Zeit wieder nach Hause zu kommen und das alte Leben wieder auf­zu­greifen. »

Der vorausgehende Text enthält Auszüge aus dem Buch „Lebezeit. Eine Anlei­tung zum Lang­zeit­reisen“, mit freundlicher Genehmigung von Svenja Limbach.

Wir haben nicht vor, Sprache oder neue Sport­­arten perfekt zu erler­nen. Bei der vor uns liegenden Strecke scheint eine mehrtägige Pause auch nicht möglich, zumindest nicht, wenn man wie wir vorhat, die Strecke zu Fuß zurück zu legen. Wir freuen uns auf die Bewe­gung. Und davon werden wir jede Menge haben. Strecke. Bergan. Bergab. Auf unse­rem Weg freuen wir uns auf die Begeg­nungen. Wir sind gespannt auf die Men­schen, die wir während der kom­men­den Monate treffen werden – und ihre Geschich­ten.

Wir sind neugie­rig auf die Dinge, die Men­schen antrei­ben. Din­ge, die Menschen bewe­gen und in Bewe­gung ver­set­zen.

 

Noch 2 Monate bis zum Start

Samstag, 16.3.2013

Nur noch zwei Monate. Dann geht’s los!

Die Zeit schreitet voran. Nun sind es nur noch zwei Monate bis zu unserem ersten Wandertag. Interessant ist festzustellen, dass unsere Stimmung sich mit dem Wetter zu verändern scheint. Eine längere Zeitspanne war der Himmel jeweils den ganzen Tag über durch Wolken verhangen. Das drückte auf unser Gemüt. Wiederholt tauchen die Fragen nach dem Sinn unseres Vorhabens auf.

Auf historischer Route durch Deutschlands Osten

Die Via Regia von Krakau nach Fran­kfurt am Main war einst eine der be­kann­tes­ten und wich­tig­sten Handels­straßen in Deutsch­land.

Neuer Pilgerführer im Conrad Stein Verlag

Heute ist der „Königs­weg“ eine ab­wechs­lungs­rei­che Wander­route und zudem als öku­me­nischer Pilger­weg aus­ge­wie­sen. Der neue Wander­führer „Via Regia“ aus dem Conrad Stein Verlag beschreibt den Weg­ab­schnitt zwi­schen Görlitz und Vacha. Händler und Kauf­leute, Kaiser und Könige, Feld­her­ren und Vaga­bun­den, Künst­ler und Pil­ger reisten einst auf dieser Straße. Thorsten Hoyer be­schreibt als Autor in seinem Buch den 450 km langen Via-­Regia-­Abschnitt zwi­schen Görlitz an der deutsch-­pol­nischen und Vacha an der hessisch-­thürin­gischen Grenze.

karte-via-regiaInteressante Etappenorte wie Bautzen, Leipzig, Naum­burg, Erfurt, Gotha und Eisenach wer­den im Buch eben­so detail­liert be­schrie­ben wie der Weg­ver­lauf selbst. Hin­weise auf Sehens­würdig­kei­ten an der Strecke, land­schaft­liche Beson­der­heiten und Über­nach­tungs­mög­lich­keiten (mit Pilger­her­bergen) fehlen eben­falls nicht. Ab­ge­run­det wird das Buch durch zahl­­rei­che farb­­liche Ab­bil­­dun­­gen und hilf­reiches Karten­material.

Info:     Via Regia. Pilgerweg von Görlitz nach Vacha von Thorsten Hoyer
ISBN 978-3-86686-316-3, 1. Auflage 2012, 176 Seiten, 42 farbige Abbildungen, 46 Karten und Höhenprofile, 12,90 EUR.