Die Stadt lebt ihre Geschichte

Münster ist eine schöne und interes­sante Stadt. Ein Grund mehr, hier und heute einen Tag Pause ein­zu­legen. Hinzu kommt, dass Christas Füße nicht so wollen wie sie selbst es gerne hätte. Stichwort: Blasen. Oh-­ooooh. Sollte ich das schrei­ben? Auf jeden Fall haben wir so beide die Zeit gewon­nen, die City von Münster aus­gie­biger und ohne Gepäck zu erlau­fen. Um es noch einmal deut­lich zu sagen: «Münster ist eine Reise wert!».

Münster öffnet an Sonn- und Feier­tagen neben den Kir­chen auch einen Teil seiner Museen. In meinen Augen ein geschick­ter Zug, auch in Blick auf den Touris­mus. Die Innens­tadt lebt. Die Stadt lebt ihre Geschichte.

Die Geschichten am Weg

Uns beeindruckt auf unse­rem Weg ganz beson­ders die Geschich­te Einzelner. Die Geschich­ten am Rande unseres Weges. So haben wir heute eine Frau kennen gelernt, die uns mit ihrer Art wohl ganz beson­ders in Erinn­erung bleiben wird. Es ist schön einem Men­schen zuzu­hören, der von sich sagt: «ich bin im Leben immer glück­lich – und ohne Sorgen gewesen».

Und Ursula glaube ich diese Worte sofort. Ihre Augen strahlen als sie das sagt. Selbst wenn es in ihren bisher 75 Jahren viel­leicht dennoch nicht immer so gewesen sein mag. Sie sieht und erkennt in den Dingen das Positive. Sie besitzt Gott­ver­trauen.

Sie erzählt, dass sie mit 20 Jahren gerne Nonne gewor­den wäre. Das war erst im Alter von 21 Jahren möglich. Sie war zu jung. Also begann sie als Haus­häl­terin im Pfarr­haus, studiert später Theo­logie und übernimmt seel­sor­gerische Auf­gaben. Heute ist sie mit ins­ge­samt zwanzig ehren­amt­lichen Gemeinde­mit­gliedern täglich zwi­schen 12 und 17 Uhr in der St. Lamberti­kirche Ansprech­partner für Besucher, Interes­senten und jene, die das Gespräch suchen. «Kirchliche Präsens», nennt sie es. Seelsorge?

«Das mit dem Laufen geht nicht mehr so gut», sagt sie. Brauche sie aber auch für Ihre Auf­gabe in der Kirche nicht. Und anson­sten helfe ihr im Alltag eben ein Geh­stock. Sie macht auf mich während des Gespräches, welches wir im Stehen führen, nicht den Eindruck ihn zu brauchen.

Pilgerstempel

Ins Gespräch kamen wir anfänglich, weil ich nach einem Pilger­stempel fragte. Diese Stempel sammelt man als Pilger, zum einen um sich unter­wegs bei Pilger­her­bergen und bei Übernach­tungs­anfragen in Kirchen als Pilger zu legiti­mieren, zum anderen um in Santiago seine Pilger­schaft nach­zuweisen.

Sofort springt sie auf, schließt den sorgsam verwahrten Pilger­stempel auf und stempelt freudig mein ‚Credencial del peregrino‘ ab. Nach den üblichen Fragen bezüg­lich Start- und Ziel­punkt macht sie mich auf eine Jakobus-­Statue in der Kirche aufmerk­sam, die man dort nicht vermu­tet, wenn man von ihrer Existenz nicht weiß. Das Beson­dere, so finde ich, ist aber die Geschich­te, die Ursula mir dazu zu erzählen wusste.

«Den Jakobus – gibt es hier schon immer!», sagt sie.

Aber seinen Pilger­stab verdankt er einem ganz beson­deren Umstand. Im Jahre 2003 war eine Gruppe der Gemeinde in Beglei­tung des damaligen Pastors Michael Scharf auf dem spani­schen Jakobs­weg unter­wegs. Eine Frau in der Gruppe schnitze und gestaltete unter­wegs ihren eige­nen Pilger­stab. Nach Errei­chen des gemein­samen Ziels Santiago de Compostela überreichte diese Frau ihren Pilger­stab als Geschenk und Zeichen von Dank­bar­keit an den geist­lichen Begleiter der Gruppe, Pastor Scharf.

Pilgerstab für Jakobus

Im Jahre 2006 bei der Renovierung der St. Lamberti­kirche, «viel­leicht auch die bevor­steh­ende Pensio­nierung vor Augen», so meint Ursula, bemerkt Pastor Scharf die freie und leere Hand der Jakobus-­Statue. Den Pilger­stab solle Jakobus bekom­men. Das Gerüst stand eh im Rahmen der Reno­vierungs­arbeiten. Also wurde Jakobus mit ’seinem‘ neuen und überaus indi­vi­duellen Pilger­stab aus­ge­stattet.

Seither verfügt die Statue aus Stein über einen Pilger­stab aus Holz. Dieses Zusam­men­spiel unter­schied­licher Mate­ria­lien – das Zusam­men­fügen von alt und neu – fasziniert mich beson­ders. Bekommt so die schon immer vorhan­dene Statue die Vergan­gen­heit – neues Leben? Steht der Stein für Bestän­dig­keit und der Pilger­stab aus Holz für Neues im Leben?

Es gibt Kontakte und Begegnungen mit Men­schen, die uns nach­hal­tig beein­drucken, viel­leicht bewegen, ja sogar prägen. Ursula ist für mich ein sol­cher Mensch. Ich danke ihr für ihre freund­lich-offene und herz­liche Art und wün­sche ihr weiter­hin viele schöne und glück­liche Jahre. Herz­lichen Dank.

Fotos folgen. Bitte anfordern.

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Wie Jakobus zu seinem Pilgerstab kam

2 Gedanken zu „Wie Jakobus zu seinem Pilgerstab kam

  • 31. Mai 2013 um 18:40
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    Hallo Ihr Lieben, ich finde das sehr eindrucksvoll …. Hut ab. Ich glaube, ich hätte schon den ersten Tag Blasen … Christa, hast du deine Haare ab ?? Wir kommen gerade von der Nordsee und wünschen Euch noch viel Spass!! Wann seid Ihr in Dortmund ?? Vielleicht kann ich dort mal hin kommen. Ist nur eine halbe Stunde von mir. Liebe Grüße von Herz zu Herz. Eure Doris aus dem schönen Sauerland.

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    • Fred
      3. Juni 2013 um 20:27
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      Liebe Doris, 15,8 km – das ist eine Menge! Hast Du heute einen Muskelkater? Am Besten hilft: weiter wandern! Liebe Grüße, Fred.

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