Bad Münstereifel – Blankenheim.   Müde kommen wir an un­se­­rem heu­­ti­­gen Ziel­­ort an. Es gibt eine al­te Burg hoch über dem Ort, in der sich die Jugend­­her­berge befin­­det. Hier wol­len wir über­­nach­­ten. Wie im­mer bu­chen wir nicht vor.

Wir laufen solange uns unsere Füße tragen

«Alles ausgebucht», bekommen wir zu hören. «Sie hätten doch vor einer Woche vor­bu­chen müs­sen!», sagt ein sicht­lich irri­tier­ter Herbergs­vater. Da sei wirk­lich nichts zu machen. Auch einen Platz für unsere Iso­mat­ten gibt es nicht. Auf der grünen Wiese gegen­über sei schlafen möglich. Dann könnten wir auch in der Herberge duschen. Es stellt sich da nur ein kleines, aber unüber­wind­bares Pro­blem: wir haben unser Zelt für verzicht­bar gehal­ten und daher gestern mit der Post zurück geschickt. Margarete, das Paket kommt in den nächsten Tagen.    😉

In der Nacht ist es draußen kalt

Also ist die grüne Wiese mangels Zelt auch keine Option. Wir gehen über unzäh­lige, alte und steile Stufen hin­un­ter in den Ort. Am Fuß der Trep­pen ange­kom­men stecken wir unsere Köpfe über dem Pilger­führer zusam­men. Es gibt im Ort einige Hotels. Keines verträgt sich mit dem von uns uns gesetz­ten Budget.

Da öffnet sich die Tür zu einem klei­nen Haus vor uns und eine Nonne in grauem Gewand steht im Tür­rah­men. Ob wir Pilger seien, fragt sie mit einem über­aus freund­lichen Lächeln. «Haben Sie schon eine Unter­kunft?» Sie schickt der Himmel. «Sie brau­chen bestimmt auch noch einen Stempel». Sie bittet uns ins Haus. Im Wohn­zim­mer nehmen wir Platz. Wir bekom­men unseren Stempel von Schwester Crucis, während Schwester Benita den Schlüssel für das nahe gelegene Gemeinde­haus orga­ni­siert, in welchem wir heute Nacht schlafen können. Kurz danach sitzen wir bei den beiden am Abend­brot-Tisch.

Die armen Dienstmägde

Schwester Benita und Schwester Crucis gehören zum Orden der armen Dienst­mägde Jesu Christi. Schon vor 120 Jahren sind erste Ordens­schwes­tern in den Ort gekom­men. 1957 wird von ihnen hier ein Alten­heim und ein Kinder­garten aufge­baut. Damals waren sie zu sechst. In den letz­ten Jahre zu viert. Inzwi­schen sind sie nur noch zu zweit. Vor 13 Jahren wurde das Heim und der Kinder­garten an einen Träger über­geben. Die Arbeit wurde zu viel für sie. Schwester Benita und Schwester Crucis sind inzwi­schen beide über 80 Jahre alt. Sie leben aus­schließ­lich von Spenden und Almosen. Im Ort scheinen sie voll inte­griert und akzep­tiert zu sein, es wird für sie gesorgt. Sie leisten vor allem seel­sor­ge­rische Arbeiten. Außer­dem kümmern sie sich um die Wäsche und den Blumen­schmuck in meh­re­ren umlie­genden Kirchen. «Für die zehn Pfarr­kirchen gibt es nur noch einen Pastor», merken sie an.

Mit ihrer offenen und freundlichen Art und ihrer schlich­ten Haltung haben uns die beiden Schwestern sehr beeindruckt.

Ist das Nächstenhilfe?

Gerade durch solche Begegnungen, in denen wir auf die Hilfe und die Unter­stüt­zung ande­rer Menschen ange­wiesen sind, beschenkt uns der Weg in ganz beson­derer Weise. Wir erleben Situa­tionen und Dinge, die uns anson­sten nicht wider­fahren wären. Wir fühlen uns bestä­tigt, anders als in unse­rem Pilger­führer empfoh­len, die Über­nach­tun­gen nicht zwei Tage im Voraus tele­fo­nisch zu buchen. Eine früh­zei­tige Reser­vie­rung bringt zwar mehr Sicher­heit mit sich, würde uns aber auch Erleb­nisse nehmen. Hätten wir so beispiels­weise Schwester Benita und Schwester Crucis kennen gelernt? Die Antwort darauf ist uns beiden klar. Nein.

Und noch etwas wird uns bei dieser Begeben­heit wieder einmal deut­lich, was Martin oft anmerkt: Alles ist – zu irgend­etwas – gut!. Soll uns hier sagen: Hätten wir früh­zeitig in der Jugend­her­berge vorge­bucht, wir hätten die Nacht wohl in einem netten Bett, mit vorhe­riger Dusche, verbracht. Wären wir nicht verge­bens wegen eines Zimmers zur Burg über dem Ort gegan­gen, wir wären nicht die Treppen zum Ort hinun­ter gestie­gen, und wären folg­lich nicht den Schwes­tern begegnet. Gerne tauschen wir für diese Begeg­nung die heiße Dusche und ein weiches Bett gegen die einfache Über­nach­tung auf unse­ren Iso­mat­ten auf dem Holz­fuß­boden im Gemeindehaus.

Es wäre zu einfach, sich das Leben so schön zu reden. Und doch ist es ein befrie­di­gender Gedanke und ein schönes Gefühl sich zu sagen:  Alles ist – zu irgend­etwas – gut!

Und wenn wir schon einmal bei netten Sprüchen sind. Christa bemüht oft und gerne folgen­den:  Ende gut. Alles gut!  …  Und ist noch nicht alles gut, dann ist es noch nicht das Ende!     Ende.
 
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Die armen Dienstmägde

2 Gedanken zu „Die armen Dienstmägde

  • 17. Juli 2013 um 00:25
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    „Es wäre zu einfach, sich das Leben so schön zu reden.“ – Aber ist das Leben letztlich nicht so schön? Und so einfach?

    Danke Dir, Christa, für deine prompte Antwort. Ich (und die anderen) vermisse(n) dich auch, und das gar nicht schemenhaft, sondern klar und deutlich. Aber du kommst ja wieder…

    Alles Liebe,
    Flo

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    • Fred
      9. September 2013 um 01:02
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      Hallo Florian. Mensch, die beiden sind mit dem Schreiben aber mächtig hinten dran. Dafür erleben sie jeden Tag ganz viele schönen Dinge. Viele vielen Dank für Deine liebe Mitteilung. Ja, Christa kommt wieder. Schon bald. Die Hälfte der Zeit ist schon überschritten. Smile. Bis dahin Du gerne eingeladen die beiden mit den fotos auf ihrem Weg zu begleiten. Liebe Grüße, Fred.

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