Es sind die vielen Begebenheiten und Gespräche am Wegesrand, die unsere Reise so bunt und erlebnisreich machen, und die uns immer wieder neue Denkanstöße geben. Leider können wir sie an dieser Stelle gar nicht alle wiedergeben.

Unser R(h)eintag

Heute haben wir einen R(h)eintag gemacht, wie die Leute hier sagen. In fast jedes Lokal sind wir r(h)einge­gangen. So haben wir es geschafft, bei knapp zehn Kilo­metern Fuß­marsch 4 Pausen einzu­legen – Besich­tigungen in Kirchen nicht mit einge­rechnet. Ein richtiger Bummel­tag. Toll. Große Gelas­senheit. Es ist schön, den Tag so treiben zu lassen und die Offen­heit für einen klei­nen Plausch zu haben. Jemand sagte heute, man sehe es uns auch an. Wir seien so entspannt.

Übernachtung de luxe

Diese Offenheit für das, was der Tag so bereit hält, bringt uns auch immer wieder zu ganz erstaun­lichen Betten.

An unserem heutigen Weg lag ein altes Kloster, welches 2007 von den Domi­ni­kanern verlas­sen wurde. Auch die Kloster­kirche wurde säku­lari­siert. Nach drei Jahren Leer­stand ist das Anwesen von einer Inves­toren­gruppe gekauft und zu einem 4-Sterne-Tagungs­hotel**** umgebaut worden. Wir sind hinein. Es ist schon ein komisches Gefühl, derart unpassend für das Ambiente geklei­det zu sein. Dennoch – wir sind sehr freund­lich empfangen worden.

Auf unseren Wunsch, die (ehemalige) Kirche besichtigen zu dürfen kam eine eher zöger­liche Antwort. Es sei schließ­lich seit der Säkula­ri­sierung keine Kirche mehr, und man habe dort Möbel und sonstige Gegen­stände gelagert.Wir durften dennoch hinein. Direkt im Hotel gelangte man über mehrere Granit­stufen und eine völlig unschein­bare Holz­türe direkt in die Kirche. Es war ein sehr interes­santer Ort: an den Wänden noch alte Heili­gen­bilder, Kanzel und Jesus an einem großen Holz­kreuz über dem Altar aus grauem Mamor. Dieser Bereich mit alten Kirchen­bän­ken war durch einen gespann­ten Vorhang vom Rest des Kirchen­raumes getrennt. Hier lager­ten zum Teil alte und neue, noch nicht ausge­packten Möbel­stücke. Eine Ange­stell­te erschien und brachte uns mit einem freund­lichen Lächeln auf einem spie­gelnden Tablett zur Erfri­schung zwei Gläser gekühltes Wasser. Ein wirklich sehr spezieller Moment.

Zurück an der Rezeption haben wir uns herzlich bedankt. Auf unsere Frage, ob es möglich sei, z.B. in der Kirche oder an einem ande­ren Ort in dem alten Kloster die Iso­mat­ten auszurol­len und zu über­nachten, konnte man im Gesicht der Empfangs­chefin deutlich ablesen: diese Frage war ihr noch nie gestellt worden. Mit kurzer Verzö­ge­rung kam die Antwort. «Das können und wollen wir Ihnen nicht zumuten. Auf dem Stein­boden in der Kirche ist es nachts viel zu kalt». Nach einer kurzen Atem­pause fuhr sie fort: «Pilger sind für uns ganz beson­dere Gäste». Sehr gerne stelle man uns ein Zimmer zur Verfügung. Gegen Spende. «Schauen Sie sich das Zimmer an und geben Sie, was es Ihnen wert ist

So verbringen wir die heutige Nacht in einem feinen Hotel im alten Gemäuer eines Domini­kaner-Klos­ters und genießen jetzt bei Sonnen­untergang die Atmos­phäre im Kloster­garten. Zudem scheinen wir die einzi­gen Gäste im Haus zu sein.     Guckst Du!?

 
(zurück …)

Jeder Tag ist ein Erlebnis

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