Heute verlassen wir Trier

Gefühlt starten in die zwei­te Etap­pe un­se­res Jakobs­weges. Wir star­ten zeitig, schau­en noch­mal im Dom und Lieb­frau­en­kirche vor­bei (beide sehr beein­dru­ckend), brin­gen Martin’s alte Schuhe zur Post und holen das gestern bestel­lte Buch noch schnell ab. Ein Blick auf die Uhr. Es ist schon wieder Mittags­zeit. Qualtät und Por­tion sind super, der Ita­lie­ner empfeh­lens­wert. Schließ­lich sollte man nie hungrig eine Stadt verlas­sen!

Die ersten zwei Kilometer sind geschafft

Der Anfang ist also gemacht. Zwei Kugeln Eis im Hörn­­chen zum Mit­­neh­­men. Es ist aber auch immer etwas. Es ist 14 Uhr, wir haben die Innen­stadt von Trier hinter uns gelas­sen. Über­ra­schend stehen wir vor einer großen Kir­che. Nach besag­ten zwei Kilo­me­tern kommt man zur Bene­dik­tiener-­Abtei St. Matthias. Es ist ein Kloster mit einer sehr schö­nen Basi­lika, in der auch die Gebeine des Apostels Matthias liegen sollen.

Pilgerherberge hinter Klostermauern

Wir fra­gen, ob wir im Klos­ter über­nach­ten kön­nen. Zunächst weist man uns zurück. Wir hatten uns nicht an­ge­mel­det und alle Zim­mer seien nach dem voran­ge­gan­ge­nen Wochen­ende noch nicht her­ge­rich­tet. Nach­dem wir erzäh­len, dass wir Schlaf­säcke und Iso­mat­ten dabei ha­ben, kön­nen wir im „roten Igel“ über­nach­ten. Die­ses ist eine rich­tige Pilger­her­berge wie wir sie aus Spa­nien ken­nen, mit Betten­lager, Toilet­ten, Wasch­ge­legen­hei­ten und sogar einer Selbst­ver­sor­ger-­­Küche. Sie befin­det sich in einem Neben­ge­bäu­de inner­halb der Klos­ter­mau­ern. Wie immer fehlt nur eines – andere Pilger.

Ende der Pilgerzeit

Vorm Haus grillt eine Gruppe äl­te­rer Frau­en und Män­ner. Man er­zählt uns, dass die „Pilger-­Sai­son“ bereits vorbei sei. Im Mai wären viele hier gewe­sen. Ins­be­son­de­re um Ostern herum seien es Hunderte gewesen. Schade, wir wür­den uns jetzt schon über einzel­ne Pil­ger freuen. Aber wir tref­fen kaum bis gar keine Pilger. Man weiß zu erzäh­len, das es sich um ein flo­rie­ren­des Klos­ter han­de­le, die Mönche fast aus­schließ­lich zivi­len Beru­fen nach­gehen, und neben einem Taschen­geld ihren Ver­dienst dem Orden zur Verfü­gung stellen.

Wer arbeitet, sollte auch feiern

Sie selbst kümmern sich um die Kleider­kam­mer der Kirchen­ge­mein­de. Hier haben Men­schen die Mög­lich­keit, getra­ge­ne und ge­spen­de­te Klei­dung für ein klei­nes Ent­geld zu ersteh­en. Die Gruppe arbei­tet ehren­amt­lich. Jetzt, nach Jahren, habe es das erste Mal geklappt, dass man sich die Zeit nähme und einen Termin für ein gemein­sa­mes Tref­fen gefun­den hätte. Gegen Abend sind die Meis­ten schon gegan­gen. Es bleibt lecke­rer selbst­ge­mach­ter Kuchen übrig. Auch für uns. Und es ergibt sich ein net­tes Gespräch. Vielen Dank.

Wir wün­schen, dass die enga­gier­te Grup­pe sich auch im näch­sten Jahr wieder die Zeit neh­men wird sich zu tref­fen. Schließ­lich sollte der, der arbei­tet, auch fei­ern.   Oder?

 
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Pilgerherberge hinter Klostermauern
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