In Spanien sind Herbergen eine gün­sti­ge Über­­nach­­tungs­­mög­­lich­­keit für Pil­ger. Die Legi­­ti­­mation als Pil­ger erfolgt mit­tels Creden­cial, dem Pilger­­pass. Solche Unter­­künf­te sind ein­­fach. Schlaf­­säcke und Hand­­tü­cher sind in der Regel selbst mit­­zu­­brin­­gen. Dafür ist es dann eben sehr gün­stig. Pil­ger­her­ber­gen wer­den durch die Kir­chen­ge­mein­­den oder die Kom­mune unter­­hal­­ten, manch­­mal auch durch enga­­gier­­te Privat­leute. So kennen wir es.
Was macht eine Herberge zu einer Pilgerherberge?
Machen Sprach­gebrauch und das Zeichen der Jakobs­muschel eine Herberge zu einer Pilger­herberge?   (Foto von Martin)

Letzte Nacht haben wir in ei­nem klei­nen Ort in ei­ner Pilger­­her­berge über­­nach­­tet. Es war aus­­ge­­spro­­chen sauber und schön ein­­ge­­rich­­tet. Wir hat­ten ein Zim­mer mit ei­nem gro­ßen Bett (mit tol­len fri­­schen Bett­­decken) und Flach­­bild-­TV. Da wir die ein­­zi­gen Gäste waren, hat­ten wir auch eines der bei­den Gemein­­schafts­­bäder für uns al­lein. Zum Früh­­stück gab es lecke­­res Brot, wovon wir uns sogar noch für unter­­wegs etwas mit­­neh­­men konn­ten. Toll. Nur – ist das eine Pil­ger­­her­berge? Wir haben 30 Euro pro Per­son gezahlt. Für die Gegen­­leis­­tung gerecht­­fer­­tigt, neben­­bei bemerkt als ein­zige Unter­­kunft am Ort auch konkurrez­­los. Nur – ist das eine Pilger­herberge?

Heute Abend dann ein vergleichbares Bild. Wir kommen in den Ort und gehen zur Kirche. Eine Frau kommt hinter uns her und schimpft, ob wir die Pilger­her­berge denn nicht geseh­en hätten?! Wir sind verblüfft. Und freuen uns. Gibt es tat­säch­lich eine Pilger­her­berge? Die muss neu sein. In un­se­rem Pilger­führer ist eine solche nicht ver­zeich­net. «Na ja. So etwas in der Art», erhal­ten wir als Ant­wort, wir seien einfach daran vorbei gegan­gen und der Pastor hätte uns ohne­hin zu ihr geschickt. Wir wer­den in eine Ferien­woh­nung geführt. Nett, ordent­lich, sauber. Schließ­lich nennt sie uns den Preis. 40 Euro ohne, 50 Euro mit Früh­stück. Der Preis ist für die Leis­tung in Ord­nung. Nur: «Ist das eine Pilger­herberge?»

Mit Pilgern haben beide nicht mehr zu tun als ein Zimmer zu vermieten. Sie verbin­det schein­bar nichts mit dem Weg oder der Idee. Auf unse­rer Reise haben wir mehr­fach in Hotels und Pen­sio­nen geschla­fen. Die Preise waren vergleich­bar. Bei den letzten beiden Unter­künf­ten bleibt ein schales Gefühl: als Pilger füh­len wir uns aus­ge­nutzt und übers Ohr gehau­en. Oder ist «Pilger­herberge» nur eine Wort­hülse, und die Unter­kunft dem deut­schen Standard und Bedürf­nis­sen ange­passt? So kann auch der­jenige, der sich eine Übern­ach­tung in einem Matratzen­lager nicht vor­stel­len kann, sagen: «ich habe in einer Pilger­herberge über­nachtet!».     Oder?
 
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Was ist eine Pilgerherberge?
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2 Gedanken zu „Was ist eine Pilgerherberge?

  • 14. Oktober 2016 um 00:48
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    Ich habe den Beitrag „Was ist eine Pilgerherberge?“ gelesen und kann dem nur zustimmen. Nichts gegen kommerzielle Zimmer- oder Ferienwohnungsvermietung. Aber ob da Pilger übernachten oder Familien, Monteure oder Geschäftsreisende, das ist ja wohl ziemlich egal. Wer so übernachten und dafür bezahlen möchte, kann das ja tun. Was aber fehlt, sind einfach Unterkünfte mit einfachem Standard, in denen man ohne Service im eigenen Schlafsack gegen einen kleinen Kostenbeitrag übernachten kann. Meine Frau und ich haben das einige Jahre in Bremen angeboten. Da hatten wir einen Dachboden mit Matratzen; Dusche und Toilette waren zwei Treppen tiefer. Für Gäste mit Pilgerausweis kostete das 5 Euro pro Nacht. Wir hatten etliche nette Gäste, die froh waren, dass ihre Reisekasse auch in dieser Nacht geschont wurde. Leider steht unser Dachboden seit ein paar Jahren nicht mehr zur Verfügung. Aber es gab in Bremen noch zwei vergleichbare Angebote, an die wir die Pilger weiter geleitet haben. Vorletztes und letztes Jahr sind aber auch die weggefallen. Beim Dom oder der Beratungsstelle Kapitel8 anfragende Pilger wurden an die Jugendherberge oder das Birgittenkloster (Übernachtung mit Frühstück 50,00 €) verwiesen. Das ist natürlich sein Geld wert, aber eine Pilgerherberge ist das – finde ich – nicht. Inzwischen sollen bei Kapitel8 allerdings Pilgerherbergen nachgewiesen werden. Das Kapitel8 ist nur bis 17 Uhr, sonnabends bis 14 Uhr und sonntags gar nicht geöffnet. Meine Idee deshalb: Wäre es nicht schön, wenn sich in Bremen einige Privatleute fänden, die bereit sind, durchreisenden Pilgern gegen ein kleines Entgelt eine einfache Unterkunft anzubieten? Wir wären auf jeden Fall wieder dabei, sobald unser Dachboden wieder frei ist. Dieter aus Bremen.

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    • Fred
      14. Oktober 2016 um 14:50
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      Hallo Dieter. Herzlichen Dank für deine Anregungen. Zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten in Bremen für auf der Durchreise befindliche Pilger sind jederzeit willkommen. Schon jetzt gibt es in Bremen private Schlafplätze, sind aber verständlicherweise von der eigenen Lebensplanung der Gastgeber abhängig. Wer ist Bremen Pilgern einen Schlafplatz für einen geringen Eigenkostenanteil bieten möchte, wende sich bitte an unsere Seite, per Mail an: fred@caminojakobsweg.de . Schon jetzt vielen Dank. Euer Fred.

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