Zu Gast bei (Jakobs-) Freunden

Wir übernachten heute das erste Mal in einem «Accueil jaquaire», also in einer pri­va­ten Unter­kunft bei Men­schen, die Pil­ger auf ihrem Weg unter­stüt­zen. Man erhält Essen und ei­nen Schlaf­platz, und betei­ligt sich an den Kos­ten. Die­ses Ange­bot gibt es in dieser Region Frank­reichs man­gels preis­gün­stiger Pilger­unter­künfte.

Auf un­se­rer Rei­se im ver­gan­ge­nen Jahr ha­ben wir die­se Über­nach­tungs­mög­lich­keit nicht genutzt. Zu sehr fühl­ten wir uns bei un­se­rem 3-Wo­chen-­Tripp als Urlau­ber. Im fran­zö­si­schen Pilger­führer findet sich nur der Hin­weis, dass es in Hambourg-­Budange Jakobs­freun­de gebe. Wir fra­gen uns durch.

Violette und Guy sind Rentner. Sie leben gemein­sam mit Hund, drei Katzen und Schild­kröte in einem Haus mit gro­ßem Gar­ten. Wir fra­gen, ob wir bei ihnen über­nach­ten kön­nen. Sie stim­men zu. Anfangs macht es den Ein­druck auf uns, dass es Violette nicht recht sei. Es klärt sich jedoch schnell, als die bei­den berich­ten, dass Violette Krebs hat. Morgen muß sie zum näch­sten Bestrah­lungs­ter­min in das Kran­ken­haus. Verständ­liche­rweise macht Violette sich Sorgen. Beide beteu­ern mehr­fach, dass wir den­noch sehr gerne bei ihnen über­nach­ten können.

zu Gast bei den Jakobswegfreunden Violette und Guy in Hambourg-­Budange.

Es fällt uns zunächst sehr schwer: das Gefühl zur Last zu fallen, ins­be­son­de­re in die­ser schwie­ri­gen Situa­tion, und wir tun uns oben­drein auch noch schwer mit der fran­zö­si­schen Spra­che und den frem­den Lan­des­ge­wohn­hei­ten. So über­le­gen wir uns, dass wir auf kei­nen Fall auch noch mit Essen zusätz­liche Ar­beit machen wollen. Doch unge­fragt und abso­lut selbst­ver­ständ­lich wird sofort ein lecke­rer Braten auf­ge­setzt. Nach einer erfri­schen­den Dusche sit­zen wir gemein­sam im Gar­ten und lang­sam schmilzt das Eis. Mit Hilfe von zwei Wörter­bü­chern «Fran­zö­sisch-­Deutsch» und «Deutsch-­Fran­zö­sisch» unter­hal­ten wir uns über Gott und die Welt.

Unser Nacht­lager bezie­hen wir auf un­se­ren Iso­mat­ten im ehe­ma­li­gen Kin­der- und jet­zi­gen Enkel­zimmer – zwi­schen zahl­rei­chen Puppen und Stoff­tie­ren. Wir ha­ben eine über­aus erhol­same Nacht.

Am nächs­ten Morgen wollen wir ohne Früh­stück star­ten. Das las­sen die bei­den gar nicht erst zu. Man müsse als Pilger schließ­lich gut gestärkt in den Tag gehen. Also bekom­men wir ein umfang­rei­ches Früh­stück und zum Abschied neben Baguette auch noch ein klei­nes Fläsch­chen mit selbst­ge­mach­tem Mira­bel­len-­Likör mit auf den Weg. Es kam der Zeit­punkt, zu dem wir die­sen guten Trop­fen gerne zu uns nahmen. Vielen Dank.

Solche Begeg­nun­gen wün­schen wir uns noch öfter für un­se­ren wei­te­ren Weg.
 
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Accueil jaquaire

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