Service am Weg

Auf dem Weg nach Cahors machen wir eine Pause. Keine Bar. Keine Gast­stätte. Aber eine Privat­per­son bewirbt seit min­des­tens fünf Kilo­me­tern mit Aus­hän­gen ihren Ser­vice am Weg. Die junge Mutter hat vor ihrem Neu­bau einen Garten­tisch mit einigen Stüh­len stehen. Der Putz an den Außen­wän­den fehlt noch. Die Land­schaft ist trocken und wenig ein­la­dend. Wir ent­schei­den uns für zwei gekühl­te Soft­drinks und packen unser Proviant aus. Wir blei­ben nicht lange allein. Ein junger Mann aus Deutsch­land gesellt sich zu uns. Sofort fragt er, ob wir aus Bremen kämen. In Kirchen­büchern hatte er unsere Ein­träge und den Stempel gesehen.

Gleich zu Beginn des Gesprächs fragt er uns, ob wir beim Pil­gern (immer) SPASS hätten, oder ob es auch (mal) ARBEIT für uns sei. Wir denken, das sagt viel über die Ein­stel­lung zur Arbeit aus. Bedeu­tet seine Frage:

Wenn etwas «keinen Spass» macht, dann ist es Arbeit .?

Außerdem fragt er sehr intensiv nach unseren Berufen. Erwar­tungs­gemäß erhal­ten wir eine solche Frage von Men­schen, die von ihrem Arbeit­splatz weg «gestar­tet» – und gedank­lich noch eng mit ihrem Arbeit­sall­tag verbun­den sind. Der 30jährige selbst ist vor einem Jahr mit dem Studium  – Erzieh­ungs­wis­sen­schaf­ten, Philo­so­phie und Psycho­lo­gie – fer­tig gewor­den. Seit­dem sei er woh­nungs­los in der Welt unterwegs.

«Arbeiten?». Nein, er arbeite nicht. Schwarz­arbeit lehne er kon­se­quent ab. Den­noch habe er eine Zeit­vor­gabe und müsse Ende Sep­tem­ber zurück nach Deutsch­land. Für einen Tag. Von Amts­wegen. Hartz-IV. Er inter­es­siere sich für «Straßen­kultur». Viel­leicht schreibe er später ein Buch zu die­sem Thema. Der Weg ist bunt und man trifft die unter­­schied­­­lich­­­sten Menschen.

Aber zurück zu seiner Frage und unserer Antwort:   Vorab. «Arbeit» empfin­den wir nicht als Last oder Mühsal. Wir beide haben Spaß und viel Freude an un­se­rer Arbeit. Wir ver­spü­ren Erfül­lung in dem, was wir beruf­lich machen.

Im Moment sind wir zu Fuß unterwegs. Das ist aber keines­falls unser Traum für den Rest un­se­res Lebens. Während wir in den er­sten Wochen ver­blüfft fest­stell­ten, dass das Thema «Arbeit» für uns zuneh­mend nur noch eine schemen­hafte Vor­stel­lung ist (und da­durch immer noch Teil un­se­rer gedank­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung war), ist sie jetzt ein­fach gar kein Thema mehr.

Manchmal, insbesondere wenn es bei glühender Hitze durch eine Land­schaft ohne Schat­ten geht, macht uns das Gehen auch mal kei­nen Spaß.

Vielmehr sind das Momente, in denen
wir uns zurück an unseren Arbeitsplatz wünschen.

 
(zurück …)

Ist Pilgern « Arbeit » ?

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