Heute hat uns nach­fol­gen­der Gast-­Bei­trag von Pierre er­reicht. Pierre haben wir vor we­ni­­gen Tagen auf dem Weg ken­nen­ge­lernt. Ei­­ni­­ge Stun­den sind wir in­zwi­schen ge­mein­sam ge­gan­gen. Ne­ben den in­te­r­es­­san­ten Ge­sprä­chen er­frischt er be­son­ders mit sei­ner di­rek­ten und pro­vo­kanten Art. Auch er ist vor lan­ger Zeit auf­ge­bro­chen. Von zuhause. In Bochum. Hier sein Bei­trag. Lest selbst!

« Von Bochum aus bin ich am 28. Juni ge­star­tet. Auf mei­­nem Weg habe ich viele net­­te Pil­ger­­in­­nen und Pil­­ger ge­trof­­fen. Es wa­ren vie­le tol­le Begeg­­nun­­gen auf deut­­scher und auch auf fran­­zö­­si­­scher Sei­te, die ich nicht mis­­sen mag … und dann traf ich Christa und Martin! Zu­vor wur­de ich schon von zwei Pil­­gern aus Ol­den­­burg, Hin­rich und Mo­ni­ka, «vor­­ge­warnt», dass Bre­mer unter­wegs sei­en, die ih­ren ro­ten Pilger­stem­pel in Gäste­bü­chern hin­ter­las­sen. Und tat­säch­lich, auch ich ent­deckte nun die Stem­pel die­ser bei­den Graffiti-Pilger schon bald. Kurz hin­ter Cahors lern­te ich die bei­den dann end­lich ken­nen. Und was soll ich sagen: die bis­he­ri­gen Er­leb­nis­se mit die­sen bei­den Men­schen wa­ren eine tol­le Be­rei­che­rung für mei­nen Weg. Danke dafür!

Doch nun ein paar Worte zu mir:  Ich heiße Pierre, bin 29 Jah­re alt, habe bis Ende Juni in Physik pro­mo­viert und bin seit dem 28. Juni auf dem Weg von Bo­chum nach San­tiago de Com­pos­tela.

Meine erste Begeg­nung mit dem Jakobs­weg hatte ich schon im Jahr 2000, als ich als Schü­ler des Gym­na­siums Leo­ni­num mit der gesam­ten Schul­ge­mein­schaft auf dem Camino Francés unter­wegs war. Da­mals mit 16 Jah­ren war das für mich nicht viel mehr als eine beson­de­re Art der Klas­sen­fahrt. Doch als ich Ende 2009 da­rü­ber nach­dach­te, wohin ich mal nach lan­ger Urlaubs­ab­sti­nenz hin­fah­ren kön­nte, kam mir wie­der der Weg in den Sinn. Im Sep­tem­ber/Ok­to­ber 2010 ging es dann für 5 Wo­chen von St. Jean-Pied-de-Port bis zum Kap Fini­sterre.

Doch wer ein­mal den Weg geht,

…   den zieht er ma­gisch an!   Und so war klar, dass ich ihn nochmal gehen muss.

Schon im Jahr 2012, noch während meiner Pro­mo­tion in Phy­sik, wur­de mir klar, dass es mehr im Leben geben muss als Schule, Stu­dium, Ar­beit, Rente, Tod. Ein Le­ben muss auch ge­lebt wer­den. Und was ist da bes­ser ge­eig­net als sich sym­bo­lisch für den eige­nen Lebens­weg auf den lan­gen Weg nach San­tiago de Com­pos­tela zu machen, mit al­len Hö­hen und Tie­fen, mit Mo­men­ten der Freu­de und des Leids, Mo­men­ten des Glücks und der Schmer­zen. Und der Weg hat mich nicht ent­täuscht. Wie zu Beginn be­reits er­wähnt, hat­te ich wun­der­vol­le Er­leb­nis­se und Be­geg­nun­gen, die ich trotz aller Stra­pa­zen nicht mis­sen mag. Ich bin dank­bar und glück­lich über je­den Tag; wann kann man das schon über den nor­ma­len, oft mono­to­nen All­tag zu Hause aus gan­zem Her­zen sagen?

Und so hoffe ich noch auf weitere tolle Erlebnisse.

Euer Pierre
(zur Zeit aus der sagenumwobenen Stadt Condom). »

Quelle:   Text per eMail erhalten von Pierre am 16.9.2013

 
 
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Pierre

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