Auf unserem heutigen Weg kurz vor «Astorga» und genau im richtigen Moment – Pause fällig, Hunger – kom­men wir zu dem Platz von David, dem Aus­stei­ger aus Barce­lona. Ein Schild heißt uns Will­kom­men beim «Casa de los Dioses» (Haus der Götter). Als David uns sieht ruft er: «Welcome to paradise!»  und lacht.

Dieses sei ein Platz für Pilger


An einem Stand präsentiert er Brot und Auf­striche, Kekse, Obst, ver­schie­dene Geträn­ke und vieles mehr – alles Bio. In einem Topf köchelt vege­ta­rische Paella. Man solle sich ein­fach bedie­nen. Nehmen, was man wolle. Es sei ein Geschenk. Und er sei an diesem Ort, um den Pilgern zu dienen. Immer wenn ein Pilger an diesem Platz vorbei komme. Rund um die Uhr. Auch Nachts. Bei jedem Wetter. Das ganze Jahr. David läd uns zum Verwei­len ein.

Bis vor sieben Jahren

…   habe er für Geld gearbeitet, dann seinen Job gekün­digt. Seit vier Jahren wohne er an diesem Ort auf dem Hügel. Manch­mal blie­ben Pilger auch für ein paar Tage. Der Platz sei ideal, sagt er. In zwei Kilo­me­tern errei­che er einen Ort mit einem Tele­fon, in zwei Kilo­me­tern einen Ort mit Trink­wasser und in sechs Kilo­me­tern «Astorga». Dieser Platz sei einfach und frei von schä­di­gen­den Ein­flüs­sen. Er lebe mit der Natur und bemühe sich, ihr nicht zu scha­den. Kalen­der, Wochen­tage und Uhr­zeit haben für David keine Bedeu­tung. Sein Leben ist bestimmt durch Wetter, Tages- und Jahres­zeiten – und durch die Pilger, die an sei­nem Platz vorbei kom­men.
Auf den ersten Blick wirkt die Hütte wie eine impro­vi­sierte Bude. Bei nähe­rer Betrach­tung erkennt man jedoch, dass alles seine Ord­nung und seinen Sinn hat. Es gibt ver­schie­dene Plätze zum Verwei­len. Im Boller­ofen pras­selt ein wärm­en­des Feuer. Ein Dach schützt vor Sonne und Regen, im Winter auch vor Schnee. Nach vorne ist die Hütte offen. Damit David keinen Pilger verpasst.
Vergessen ist unser Vorhaben, möglichst zügig «Astorga» zu errei­chen. Wir sit­zen mit David auf dem Sofa – und fragen, erzählen und schweigen. Genie­ßen die Ruhe. Tanken Kraft für die letz­ten acht Kilo­me­ter.  Wie er den Platz gefun­den habe? – «Google-Gott!» – ist seine Antwort.
Es gäbe inzwischen eine Initiative, die die Ruine an der er lebt kau­fen wolle. Über das Internet würde Geld gesam­melt. Es solle ein ein­faches Haus werden, in dem sich Pilger aus­ruhen können.

Zum Abschied läutet David eine Glocke

Auf unserem Weg haben wir viele Sonderlinge und Träumer getrof­fen. David gehört zweifels­ohne dazu. Aber im Gegen­satz zu vielen ande­ren scheint er sehr authen­tisch seinen Traum und seine Visionen zu leben – und nicht nur davon zu reden. Das soll uns wohl nach­hal­tig beein­drucken.

     mehr Informationen zu  Casa de los Dioses

 
(zurück …)

«Welcome to paradise»

Kommentar verfassen