Nach meinem ersten Wandertag habe ich sehr mit mir gehadert. Es war ein harter Tag. Erst um 10 Uhr los gekommen. Nur 18 km Wegstrecke. Dafür 38°C, kaum Schatten und ein ambitionierter Anstieg auf gut 600 m. Auf weniger als 4 km Strecke. Das hört sich steil an. Ist es auch.

Ausblicke fürs Herz

Eine schroffe, schöne Landschaft mit immer wieder tollen Ausblicken. Nadelgehölze, die an den weiten und steilen Hängen der Sonne trotzen. Das Mittelmeer entfernt sich Meter für Meter. Der Blickwinkel weitet sich von Höhenmeter zu Höhenmeter. Der Übergang von Wasser zu Himmel sind fließend und von intensivem Blau. Auf dem Kamm angekommen gibt es Erholung durch ebene Wege. Schnell glaubt der Körper angekommen zu sein. Nur kurz. Dann geht es ebenso steil abwärts, über steinige schlanke Pfade. Die Sonne ist längst hinter einem der Berge untergegangen. Es beginnt zu dämmern. Zum Schluß zählte nur noch das Ankommen. Mangels Unterkunft blieb ein Glücksgefühl aus.

Heute morgen dann die nicht wirklich überraschende Feststellung: Körper und Geist hatten sich getrennt. Körper angekommen. Der Geist noch nicht. Ihn hatte ich unterwegs zurück gelassen. Also warten, bis er nachkommt.

Geist und Körper

Gegen 11 Uhr war es offensichtlich zu spät für ein Frühstück. Der Hotelier schmunzelt. Alternativ erkunde ich die Stadt. Die lange Warteschlange vor dem Eingang zum «Salvatore Dali Museum» hält mich von einem Besuch ab. Vorerst.

Den Nachmittag verbringe ich auf dem Hotelbett. Eingeschlafen. Beim Aufstehen hoffe ich auf die große Erholung. Vergeblich. Die Knochen sind müde. Auch mein Geist hat es bis zum Abend hierher nicht geschafft. Also gehe ich ihn morgen abholen, oder ihm zumindest entgegen. Ich werde mit dem Bus nach «Pau», an den Endpunkt von gestern fahren und den Weg fortsetzen. In der Hoffnung, meinen Geist unterwegs wieder einzufangen.

Etwas abseits hatte ich heute Mittag das Lokal «El Peregrin» entdeckt. Übersetzt bedeutet das: der Pilger/Wanderer. Kaum ein Wunder, dass es mich zum Abendessen hierher führt. Das «Pilgermenü», welches sonst für 13€ zu haben ist, kostet freitags 3€ mehr. Das ist es alle Mal wert. Einen halben Liter Rotwein inklusive. Das soll für eine Person reichen. 20 Uhr ist noch keine Essenszeit in Spanien. Bis zum Hauptgericht habe ich das Restaurant und die überaus freundlichen Kellner für mich allein. Das ändert sich. Beim Nachtisch gibt es keinen freien Tisch mehr. Das wundert mich nicht. Jeder einzelne Gang war ein Gedicht. Eine Reise wert. Die mit Ziegelsteinen in Bögen gemauerte Decke ist einem alten Kellergewölbe ähnlich und zusammen mit der dezenten Musik im Hintergrund macht sich ein Wohlgefühl breit.

Angekommen

Jetzt scheine ich angekommen zu sein. Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Ich liebe mein Tun. Und mit Rotwein scheinen die gestrigen Strapazen an Bedeutung zu verlieren. Also liegen morgen rund 20 km Fußweg vor mir. Das weite, sonnige und schattenfreie Tal. Ohne Rucksack. Mit dem Ziel: mein Bett, mein Rucksack. Übermorgen setzte ich meinen Weg von hier aus fort.

Und nun ab ins Bett. Die Eiswürfel sind aufgetaut und die Rotweinkaraffe leer. Gute Nacht.

 
(zurück …)

Und es geht doch

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