Über die «Via Baltica» gelangt man von Norden kom­mend nach Dort­mund. Von hier aus führt ein Weg weiter über Her­decke, Wupper­tal, Alten­berg nach Köln. Diesen Weg kennen wir inzwi­schen gut. Ein wei­te­rer Weg biegt in Dort­mund über Bochum, Essen, Duis­burg nach Aachen ab. Diesen wollen wir jetzt antes­ten: drei Tages­etap­pen ab Dort­mund.

Das Ruhrgebiet

P1120376Das Ruhrgebiet hat sich in den vergan­ge­nen Jahr­zehn­ten stark ge­wan­­delt. Es ist grün. Trotz hoher Besied­lungs­dichte gibt es einen grossen Anteil an Wäl­dern, Grün- und Acker­flä­chen. Wir sind gespannt und rech­nen mit einer abwechs­lungs­reichen Weg­führung.

Wir starten im Zentrum des Dortmunder Stadtkerns. Hier in der Reinoldikirche erhal­ten wir unse­ren ersten Stempel. Der Weg teilt sich kurz darauf. In Rich­tung Süden. Wir wählen dieses Mal den Weg in Rich­tung Westen durch das Ruhr­ge­biet. Er führt uns über den Westen­hell­weg, die Haupt­ein­kaufs­meile in der Dort­munder Innen­stadt.

Die Wegführung

Weiter geht es auf einer Neben­straße, vorbei am ersten Park, dem Westpark. Wir ahnen, Dort­mund ist grüner als man als Auswär­tiger erwar­tet. Im zweiten Welt­krieg wurde Dort­mund fast völlig zer­stört. Im Anschluss wurde wieder aufge­baut. Wir kommen durch Wohn­straßen, deren Häuser aus dieser Zeit stam­men dürften. Schnell führt der Weg auf den Hellweg. Hier eine Haupt­verkehrs­straße, welcher wir auch längere Zeit folgen werden.

Obwohl wir einige Male durch Grüngebiete geführt werden, verlassen wir bis auf eine kurze Ausnahme nie den Teer-beschich­teten Unter­grund. Fast aus­schliess­lich führt der Weg durch Wohn­gebiete und auf und an befah­renen Straßen entlang. Schade eigent­lich. Hatten wir doch mehr erwartet: Wege über Pfade vorbei nahe bebauter Flächen, Verbin­dungs­wege und Trampel­pfade. So kenne ich das Ruhr­gebiet. Aber viel­leicht hat es sich auch in den zurück­lie­gen­den Jahren zu sehr verän­dert. Die Weg­führung konnte unsere Erwar­tun­gen leider nicht erfül­len.

Die Wegmarkierung

Die Markierung des Weges ist weitestgehend als sehr gut zu bezeichnen. Aller­dings sind Art und Deut­lich­keit der Ausschil­derung schwan­kend. An verein­zel­ten Stellen wäre eine deut­lichere Markie­rung wün­schens­wert. Zu Beginn weisst die Muschel die Rich­tung. In unseren Augen ist diese Art der Aus­schil­derung wünschens­wert. Leider kann man sich im Verlauf des weite­ren Weges nicht auf die Sinn­haftig­keit dieser Aus­schil­derung verlas­sen. Später werden die Muschel­auf­kleber immer gleich geklebt, mit der Beschrif­tung «Pilger­weg» oben. Anfangs hatte man sich noch die Mühe gemacht, Muschel und Schrift­zug aus­ein­ander zu schneiden und einzeln zu kleben. Jetzt zeigt die Muschel durch den Druck bestimmt grund­sätz­lich nach links. Später folgt eine Ergän­zung durch einen Rich­tungs­pfeil.

Fazit:

Vielleicht waren unsere Erwartungen an diesen Weg zu hoch. Ggf. ist eine natur­nahe Weg­führung durch einen der­artigen Ballungs­raum wie es das Ruhr­gebiet darstellt gar­nicht möglich. Schade.

Für den Pilger, der auf der Durch­reise mit einem Fern­ziel wie Aachen oder gar Santiago vor Augen durch diese Gegend kommt, ist es ein Teil seines Weges. Ihn wird der Weg­ver­lauf nicht wirk­lich stören. Im Gegen­teil. Andere Weg­ab­schnit­te werden durch diese urbanen Etappen an Bedeu­tung und gefühl­ter Schön­heit gewinnen. Für Pilger, welche mit dem Fahrrad unter­wegs sind, bietet sich dieser Weg geradezu an. Stei­gung und Gefälle kennt der Weg prak­tisch nicht. Wochen- und Abschnitts­pilger, die zu Fuß gehen, sollten unseres Erach­tens eher die süd­liche­re Route über Her­decke und Wupper­tal bevor­zugen. Von Köln führt der Jakobsweg nach Trier und auch nach Aachen.

Es ist schon exotisch, sich mit Ruck­sack, fes­tem Schuh­werk und Pil­ger­stock durch das Ruhr­­gebiet zu bewe­­gen. Auf die­­sem Teil­­stück des Jakobs­­weges wären Lauf­­schuhe und ein Regen­­jäck­­chen pas­send und aus­­rei­chen­­des Gepäck. So würde man im All­tag auch weni­­ger auf­fal­len.

Jakobsweg?    «Den kenne ich nicht.»

Auf unseren Wegen in Deutschland waren Menschen immer wieder er­staunt zu er­fah­­ren, dass der Jakobs­­weg ganz dicht an oder durch ihren Lebens­­raum ver­läuft. Auf­­fal­lend war es im Ruhr­­ge­biet, dass gleich meh­­rere Gesprächs­­part­ner mit dem «Jakobs­weg» nichts anfan­­gen konn­­ten. Auch der Hin­­weis auf «Hape Kerke­­lings Weg» ver­ur­­sachte nur erstaun­­tes Kopf­­schüt­­teln. Das hat uns schon verwun­dert.

Ganz besonders

Und dann ist uns doch etwas ganz besonderes an diesem Weg aufgefal­len. Die Men­schen. Sei es der Präsens­dienst in der «Reinoldi­kirche», der uns vor Öff­nung des Kirchen­forums zu unse­rem ersten Stempel verhalf. Die liebens­werte Küsterin in der «St. Vinzen­tius-Gemeinde», die noch mit Einkaufs­tüten bepackt auf uns zukam, um uns die Kirche aufzu­schließen und uns ihre Beson­der­heiten zu zeigen. Und die vielen freund­lichen Men­schen auf unse­rem Weg durch das Ruhr­gebiet. Einen herz­lichen Dank auch an die Wege­warte für ihre Aus­schil­derung.

 
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Camino «Ruhrgebiet»

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