Der Braunschweiger Jakobs­weg wird seit 2013 Stück für Stück wieder zusam­men­geführt. Am Ende soll die Verbin­dung von Magde­burg bis Höxter stehen.

Nachdem Hape Kerke­ling sein Buch ‚Ich bin dann mal Weg 2006 ver­öf­fent­­lichte, stieg die Anzahl der Pilger auf dem Jakobs­weg in Spanien um 71 Prozent. 13.837 Menschen wander­ten einen Teil des 800-Kilo­meter-Weges. Eine gute Werbung. Seither ist Pilgern nicht mehr exotisch. Auch in Deutsch­land nicht. Denn es gibt nicht nur den einen Weg, der zum Grab des Apostels Jakobus führt. Auch der Braun­schweiger Jakobs­weg zielt in diese Richtung – zum Teil durch den Land­kreis Hildesheim.

Eine historische Strecke, die jetzt wiederbelebt werden soll. Dieter Prüschenk ist im Schellerter Rathaus zu Gast. Er will dem Haus­herrn Axel Witte sowie Söhldes Bürger­meister Alexander Huszar und Rainer Poelmann vom Land­kreis Hildes­heim sein Projekt vorstel­len, sie bitten, ihn zu unter­stützen. Denn der Weg von Ost nach West auf dem einsti­gen Hellweg soll ausge­schildert werden. Und dafür braucht es Geneh­migungen.

Prüschenk ist der ehrenamtliche Projektleiter ‚Braun­schweiger Jakobs­weg‚. Der ehema­lige Banker mit dem weißen Haar und dem freund­lichen Gesicht ist begeistert von seiner Aufgabe. Mit Enthu­siasmus stellt er das Projekt, das die Stiftung Braun­schwei­gischer Kultur­besitz, das Bistum Hildes­heim und die evan­gelische Akademie Abt Jeru­salem unter­stützen, vor. Der Braun­schweiger Jakobs­weg wird seit 2013 Stück für Stück wieder zusam­men­geführt. Am Ende soll die Verbin­dung von Magdeburg bis Höxter stehen.

Schon vor Jahrhunderten nutzten die Menschen den Jakobs­weg durch das Braun­schweiger Land, um nach Santiago de Compo­stela, der letzten Ruhe­stätte des Apostels Jakobus, zu kommen. Die Pilger von heute sollen auf ihrem Weg nicht alleine gelassen werden. Deshalb braucht es Hinweis­schilder an Kreu­zungen und etliche Tipps – etwa, welche Kirchen am Weges­rand geöffnet sind, wo es etwas zu Essen gibt und in welcher Herberge sie die Nacht verbrin­gen können. Das birgt auch für die Orte neue Chancen. In Veltheim etwa baut ein neu gegrün­deter Pilger­verein das alte Pfarr­heim von Heilig Kreuz zu einer Pilger­herberge um. Übernach­tungs­mög­lich­keiten könnten auch Klöster anbieten, so Prüschenk.

Er will den Weg lebendig gestalten, Menschen mit einbe­ziehen. Wie Heimat­pfleger Hans-Georg Schrader. Der Mann aus Ottbergen kennt sich mit der Geschichte seines Ortes und des Klosters bestens aus, deswegen ist er einer der neuen Wege­paten. Er ist Ansprech­partner und Tipp-Geber für die Pilger, die alleine, in Gruppen mit oder ohne Führung des Weges kommen.

Die Pilger­angebote kommen gut an, sagt Prüschenk. Er führte von 2010 bis 2012 schon Wande­rer in Etappen von Magde­burg bis Hildes­heim. „Das ist mehr als eine Wande­rung“, beschreibt er. Es sei ein geistiges Angebot mit Andacht, Segen, Schweige­abschnitten.

Die Wege liegen zwischen Wäldern und Feldern, auf Wander- und Rad­wegen und führen auch an Bundes­straßen entlang. Gerade hat Prüschenk einen Gestat­tungs­vertrag in Helmstedt unter­schrieben. Dort dürfen die zwölf mal 15 Zenti­meter großen blauen Hinweis­schilder mit der gelben Muschel darauf ange­bracht werden. Die Anbrin­gung über­nimmt eine Braun­schweiger Firma. Die ist mit der Ausschil­derung in der Löwen­stadt schon fast fertig. Und so kann es im Früh­jahr weiter­gehen. Etwa im Land­kreis Hildes­heim. Doch Schilder dürfen nicht willkür­lich angebracht werden. Die Geneh­migungen sind derzeit Prüschenks großes Thema. Rainer Poelmann vom Kreis signali­sierte schon, dass die Schilder im Verlauf des Rad­weges Hameln-Berlin kein Problem sein dürften.

Bleibt die Frage: Was sagen die betroffenen Verkopplungs­gesell­schaften? Huszar und Witte sichern dem Pilger­begleiter Prüschenk ihre Unter­stützung zu. In den nächsten Tagen werden sie ihm eine Liste der Ansprech­partner zukommen lassen. „Unsere Maxime ist, so wenig Schilder wie möglich aufzu­stellen“, erklärt Prüschenk. Auch mit der Stadt wird er noch Kontakt aufnehmen, denn der Weg erstreckt sich über Uppen, den Galgen­berg bis zum Dom.

Im Herbst will Pilgervater Prüschenk den berühm­testen aller Jakobs­wege erwan­dern. Um in Santiago des Compo­stela das Zerti­fikat zu bekommen, muss er die letzten 100 Kilo­meter gelaufen sein. Für den Braun­schweiger dürfte das kein Problem sein, schließlich trai­niert er auf dem Braun­schweiger Weg. Das ökume­nische Pilger­programm 2016 ist in einem Prospekt zusam­men­gefasst und im Pilger­büro, Theolo­gisches Zentrum, Alter Zeughof 1, in Braun­schweig (05  31 / 1 20 54 17) zu haben.

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Quelle:     dieser Artikel von Andrea Hempen
wurde veröffentlicht in der  Hildesheimer Allgemeine Zeitung  am 7.2.2016

Hildesheimer Jakobsweg soll neu belebt werden

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