Aus gegebener Veranlassung:  Wie so oft liest man Artikel dieser Art meist erst, wenn es zu spät ist. Sprich, wenn man seine eige­nen leid­­vollen Erfah­­run­gen gemacht hat. Wir haben allein in den letz­­ten Jahren zahl­­rei­che Flüge jedes Jahr gebucht. Bisher immer über die Air­­lines direkt. Dabei wird es auch bleiben. Unseren TiPP findest Du unter diesem Beitrag.- Lies selbst!

Quelle:   von Rainer Marx  |  WELT.N24 am 15.01.2015



Buchungsportale wie fluege.de versprechen, den billig­sten Flug zu finden. Doch wäh­rend des Buchungs­vorgangs werden immer mehr Gebühren auf den Preis aufge­schlagen. Verbraucher­schützern reicht es.

Der Ärger kommt später. Wer auf Flugportalen bucht, bekommt oft keinen klaren Blick auf die tatsächlichen Kosten.   (Quelle: Getty Images)

„Fluege.de findet den billig­sten und schönsten Flug.“ So säuselt es Reiner Calmund in einem Werbe­spot für das Inter­net­portal in die Kamera, wäh­rend die hinter ihm stehende Stewar­dess ein Lächeln aufsetzt, bei dem man am lieb­sten gleich abheben möchte. Besser, man bleibt am Boden.

Denn zumindest der erste Teil der Bot­schaft ist zweifel­haft. Wer mittels der Such­maschine des Online­portals, das aus 750 Anbie­tern den angeb­lich gün­sti­gsten Flug heraus­sucht, eine Buchung vornimmt, erlebt im letz­ten Schritt eine herbe Über­raschung.

Bei einer Stichprobe für einen Flug von Köln/Bonn nach Berlin-Tegel mit German­wings für eine Person Ende August 2015 wird ein Gesamt­preis von 66 Euro ohne Gepäck ausge­wiesen. Doch nachdem man alle Personen­daten einge­geben hat und bei den Zahlungs­optionen von der vorein­ge­stellten „fluege.de Master­card Gold“ auf „Master­card“ oder „Visa“ gewech­selt hat, ändert sich der Flug­preis schlag­artig auf 107,55 Euro.

Fluggast soll Kreditkarte gleich mitbestellen

Sowohl für den Hin- als auch für den Rück­flug wird auf einmal eine soge­nannte „Service­Fee“ fällig, die insge­samt stolze 49,98 Euro beträgt – ein im Ver­gleich zu ande­ren Porta­len hoher Betrag für die Verwen­dung eines gängigen Zahlungs­mittels. Der Sprecher von fluege.de sagt dazu: „Die Erhe­bung von Service-Ent­gelten ist im Flugbe­trieb das ureigene Geschäfts­modell sämt­licher Reise­büros. Die Höhe des Service-Ent­gelts berech­net sich in aller Regel aufwands­abhängig.“

Zum Vergleich: Exakt derselbe Flug ist bei German­wings mit der Master­card für 75,90 Euro inklu­sive Gebüh­ren buch­bar, im kosten­freien Lastschrift­verfah­ren sogar für nur 66 Euro. „Wir halten, was andere verspre­chen“, lautet das Motto von fluege.de. Treffen­der wäre: Wir verspre­chen, was andere halten.

Das Prinzip ist einfach: Mit überteu­erten Gebüh­ren will man poten­zielle Kunden zum Erwerb einer Kredit­karte verlei­ten, die dann eben diese über­teuer­ten Gebüh­ren überflüs­sig macht.

Wer die Buchung auf fluege.de im letzten Schritt abbricht, bekommt eine E-Mail an die angege­bene Adresse mit dem Hinweis: „Achtung! Ihre Reser­vierungs­anfrage läuft ab“, verbun­den mit der Empfeh­lung, die Buchung doch auszu­führen. Interes­sant ist, dass der Flug­preis hier mit 66 Euro ange­geben ist, also ohne Gebüh­ren. Es wird keine Gelegen­heit ausge­lassen, dem poten­ziel­len Kunden einen Preis zu sugge­rieren, der nicht dem Endpreis entspricht.

Mit Tricks wie diesen hat das Onlineportal bereits zahl­lose Kunden in die Irre geführt. Auf Bewertungs­por­talen wie ciao.de, dooyoo.de oder den sozialen Netzwer­ken Face­book und Twitter häufen sich Einträge Betrof­fener, die Opfer des intran­spa­renten Geschäfts­gebarens von fluege.de gewor­den sind.

Auch die Verbraucher­schützer sind längst aufmerk­sam gewor­den. „Seit Jahren gibt es Beschwer­den, weil sich die Kosten bei fluege.de wäh­rend des Buchungs­vorgangs erhöhen“, sagt Kerstin Hoppe vom  Verbraucher­zentrale Bundes­verband (vzbv).

Mehrfach von Verbraucherschützern abgemahnt

Als Referentin für Rechtsdurch­setzung hat sie die Leipziger Unister GmbH, zu der neben fluege.de und billig­fluege.de auch flug24.de und die Online-Reise­büros ab-in-den-Urlaub.de und travel24.com gehören, für ihre Geschäfts­praxis bereits mehr­fach abgemahnt, zuletzt am 19. Juni 2014.

Anlass für die jüngste Abmahnung war die Ände­rung eines BGB-Paragra­fen, der die Fest­legung von Grenzen bei Entgelt­ver­ein­barung regelt. Dort heißt es: „Eine Verein­barung, durch die ein Verbrau­cher verpflich­tet wird, ein Entgelt dafür zu zahlen, dass er für die Erfül­lung seiner vertrag­lichen Pflich­ten ein bestimm­tes Zahlungs­mittel nutzt, ist unwirk­sam, wenn

1.   für den Verbraucher keine gängige und zumut­bare unent­gelt­liche Zahlungs­mög­lich­keit besteht oder

2.   das vereinbarte Entgelt über die Kosten hinaus­geht, die dem Unter­nehmen durch die Nutzung des Zahlungs­mittels entstehen.“

Auch wenn der Fluege.de-Sprecher auf Nachfrage die Vorzüge der kosten­freien „Master Card Gold“ anpreist: Um ein gängi­ges Zahlungs­mittel handelt es sich dabei nicht.

Noch dazu ist das von der Luxemburger Advanzia Bank angebo­tene Produkt mit Vorsicht zu genießen. Sie ist zwar kosten­frei, kann den Kunden aller­dings teuer zu stehen kommen, wenn er einige Eigen­heiten der Karte nicht beachtet. Die Rechnungs­summe wird nicht auto­matisch von einem Konto einge­zogen, sondern muss vom Kunden selbst nach Erhalt der Rech­nung in einer bestimm­ten Frist über­wie­sen werden. Sonst werden eine Mahn­ge­bühr und Zin­sen von jähr­lich knapp 20 Pro­zent vom Zeit­punkt des Einkaufes an fällig.

Und grundsätzlich gilt: Wer eine gängige Kredit­karte verwen­det und eine zusätz­liche Karte beantragt, um auf einem Portal kosten­frei buchen zu können, riskiert, dass seine Bewer­tung bei Scoring-Gesell­schaf­ten wie der Schufa herab­ge­setzt wird.

Gängig ist auch die „Visa Elec­tron“ nicht, jene Karte, die noch bis Ende 2014 auf den Unister-Porta­len als kosten­freie Zahlungs­mög­lich­keit ange­boten wurde. „Visa Electron spielt im deut­schen Markt so gut wie keine Rolle“, sagt Matthias Adel von Visa Europe. „Nur wenige Karten sind von den deut­schen Banken ausge­geben worden. Das Produkt hat sich bei den Kunden hier nicht durch­gesetzt.“ Seit Neues­tem wird die von fluege.de erho­bene „Service­Fee“ übrigens auch bei dieser Karte fällig.

Unister soll sich vor Gericht verantworten

Die Verbraucherzentrale wird jetzt vor dem Land­ge­richt Leipzig Klage gegen Unister einrei­chen. „Ein Anwalt ist bereits manda­tiert, die Klage­schrift wird vorbe­reitet“, sagt Kerstin Hoppe. Doch selbst wenn der Rechts­streit für die Verbraucher­schützer erfolg­reich verlau­fen sollte, dürf­ten die Proble­me damit kaum aus der Welt geschafft sein.

Schon seit 2008 haben nicht nur Verbraucher­schützer ein Auge auf Unister. Die „Service­Fee“ war schon damals Gegen­stand juris­tischer Ausein­ander­set­zungen. Seit Novem­ber 2008 gelten die EU-Bestim­mungen zur Preis­werbung für Flug­rei­sen, die ausdrück­lich verlan­gen, dass bei Flug­rei­sen Endprei­se inklu­sive sämt­licher obli­ga­to­rischer Kosten­posi­tionen angege­ben werden müssen. Unister hatte auch damals die „Service­Fee“ erst am Ende der Buchung ausgewiesen.

Die Wettbewerbszentrale hatte daraufhin gegen Unister geklagt und den Rechts­streit sowohl vor dem OLG Dresden als auch vor dem Bundes­gerichts­hof gewon­nen. Unister musste darauf­hin seine Fluege.de-Web­site kurz­fris­tig umgestalten.

Die Art und Weise, wie sich die Web­site heute präsen­tiert, sagt aller­dings viel aus über Unisters Strate­gie. Die besagte „Service­Fee“ taucht nach wie vor erst am Ende des Buchungs­vorgangs auf, jetzt aller­dings in Abhän­gig­keit des zu wählen­den Zahlungs­mittels. Diese kleine Ände­rung reichte offenbar aus, um eine neue Rechts­situation zu schaffen. Der Umstand, dass nach wie vor eine sehr hohe Gebühr erho­ben wird, blieb bestehen. Erst die erwähnte Ände­rung des BGB vom Juni 2014 könnte das nun ändern.

Katz- und Mausspiel mit der Reiseversicherung

Auch in Sachen Reiseversich­erung bedient sich das Portal unsau­berer Methoden. Laut dem erwähnten BGH-Beschluss darf die Vorein­stellung für die Reisever­sich­erung nicht auto­ma­tisch auf „ja“ stehen, was bei Unister bis 2011 der Fall war.

Eigentlich hätte das Unternehmen auch hier sofort reagieren müssen. Erst nach­dem am 11. Juni 2012 vom LG Leipzig ein Ordnungs­geld von 75.000 Euro wegen nicht zügiger Umstel­lung des Verfah­rens zum Abschluss einer Reise­ver­sich­erung verhängt worden war, handel­te Unister. Als Kunde muss man die Auswahl nun aktiv einstel­len, nach dem sogenann­ten Opt-in-Verfahren.

Doch mit der Änderung hat Unister umgehend eine neue Unschär­fe in das Verfah­ren einge­bracht. Denn wählt man keine Reise­ver­sich­erung, erscheint ein Fenster mit einer Auflis­tung der Leistun­gen der Reise­ver­sich­erung. Unter dem Punkt „Absich­erung gegen Gepäck­verlust“ ist „kein Reise­schutz“ vermerkt, sollte die Versich­erung nicht abgeschlos­sen werden.

Dies suggeriert, dass eventuell verloren gehendes Gepäck nicht versichert ist. Das aber ist falsch. „Die Flugge­sell­schaften“, sagt Carola Scheffler vom Bundes­verband der deut­schen Luft­ver­kehrs­wirt­schaft, „haf­ten nach Montrealer Über­ein­kommen ohne­hin für beschä­digtes, zerstör­tes oder verloren gegan­genes Gepäck bis zu einer Höhe von rund 1.300 Euro – ganz unab­hängig von einer Gepäck­ver­sich­erung des Passa­giers.“ Der Fluege.de-Spre­cher behaup­tet, das Unter­neh­men wolle keines­wegs „die Existenz dieser Grund­sich­erung durch die Air­lines anzweifeln.“

„Wir sehen das als einen Wettbewerbs­verstoß an“, sagt Verbraucher­schützerin Hoppe, die Unister auch in die­sem Punkt abgemah­nt hat. Diese Art der Präsen­tation der Reise­ver­sich­erung auf fluege.de wird auch Gegen­stand der juris­ti­schen Ausein­ander­setzung sein.

Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Unister und den Kontrol­leuren. Immer wieder ändert der Anbie­ter Einstel­lungen auf den bean­stan­deten Porta­len, worauf Verbraucher­schützer dann wieder reagie­ren müssen. Verlierer bei diesem Spiel ist nur einer: der Kunde.

Fred

Es gibt Alternativen zur Flugsuche!
Oder schlag ‹ fluege.de & Co › einfach mit den eigenen Mitteln: solltest Du „den günstigsten Flug“ gefunden haben, wechsle auf die Homepage der jeweiligen Fluggesellschaft und buche den Flug dort. Ohne die teuren Zusatzgebühren!

Gute Reise. Euer Fred.

 
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