Besondere Auszeichnung für offe­nes Gottes­haus. Bis zu 50 Pilger pro Jahr legen Zwischen­stopp in Otterstedt ein.

Otterstedt. Als eine von rund 280 Gottes­häusern der evange­lisch-luthe­rischen Landes­kirche Hannover darf sich dem­nächst auch die Otter­stedter Martins­kirche als „Pilger­kirche“ bezeich­nen.

Das entspre­chende Signet erhält das Team der Kirchen­gemeinde Otter­stedt um Pastor Markus Manzek am Sonntag, 8. Januar, im Rahmen des um 10 Uhr beginnen­den Gottes­dienstes mit einem anschlie­ßenden Neujahrs­empfang im Gemeinde­haus. Überbrin­gerin des begehrten Marken­zeichens ist Pastorin Marion Römer aus dem „Haus Kirch­licher Dienste“ – dem Initiativ­träger des Projek­tes „Signet für verläss­lich geöffnete Kirchen“.

kirche_otterstedt
Die Otterstedter Martins­kirche ist ein offener Ort für alle Gäste. Auch Pilger aus der Unter­kunft im Gemeinde­haus sind hier willkom­men. (Foto: Björn Hake)

Die ersten Signets für verläss­lich geöff­nete Kirchen wurden derweil im Jahr 2000 verliehen. An dem einpräg­samen Zeichen erkennen Gäste: Hier ist eine Kirche zuver­lässig offen. Die Otter­stedter Martins­kirche ist seit mehr als acht Jahren eine offene Kirche und für Gäste zugäng­lich. Doch bereits seit 2007 kehren viele Pilger­innen und Pilger, die auf dem baltisch-west­fä­lischen Pilger­weg Via Baltica unter­wegs sind, in Otter­stedt ein. Dort beziehen sie die betreute und kürzlich neu reno­vierte Pilger­unter­kunft im Gemeinde­haus an der Brügger Straße und holen sich Gottes Segen in der auch für sie stets offenen Martinskirche ab.

Herzliche Betreuung für die Pilger

Bis zu 50 Menschen sind es nach Einschät­zung von Pastor Manzek jedes Jahr, die auf ihrem Pilger­weg entlang der Via Baltica – einem von 30 deutschen Jakobs­wegen – einen Zwischen­stopp in Otter­stedt einlegen und die Gastfreund­schaft der Dorf­be­wohner genießen. Die Via Baltica ist der nördl­ichste Weg der Ost-West-Verbin­dungen in Deutsch­land. Dieser Weg beginnt auf der Insel Usedom an der Grenze von Polen und Deutsch­land zwi­schen Swinemünde und Kamminke. Er stellt damit die Brücke von den baltischen Ländern in das spanische Pilger-Mekka Santiago de Compostela dar.

Damit sich die Gäste in dem kleinen Dorf vor den Toren Bremens wohl­fühlen, kümmern sich die Betreuer­innen Irmgard Kruse und Theda Koldehofe seit Jahren mit großer Fürsorge um deren Wohl­be­finden und ein gemüt­liches Ambiente in der Unter­kunft. Wer im Gemeinde­haus als Pilger übernach­ten möchte, braucht einen Pilger­ausweis und für die Nacht einen Schlaf­sack. In dem frisch reno­vierten Raum stehen zwei Klapp­betten und zwei Luft­ma­trat­zen zur Verfü­gung. Zwar gibt es keine Dusche, aber die Möglich­keit, die strapa­zier­ten Pilger­füße in einem warmen Fußbad zu erfrischen. „Es ist immer wieder spannend zu erleben, wer bei uns eintrifft. Das sind Menschen in jedem Alter, auch ältere Frauen und Männer, die das Arbeits­leben bereits hinter sich haben“, berich­ten die Otter­stedter Pilger-Betreuer­innen.

Die Gründe, warum diese Menschen pilgern, seien dabei genauso unter­schied­lich wie ihre Ziele. „Einige sind ein Wochen­ende unter­wegs, andere ein halbes Jahr und wiederum andere wollen – wenn die Kräfte dafür ausreichen – bis nach Santiago de Compostela gehen“, wissen die Damen zu berichten. In diese Kerbe schlägt auch Pastor Markus Manzek. „Oft reicht die Zeit nur für den Abschnitt von Hamburg bis Bremen“, erzählt der Gottes­mann. Dies, sagt Manzek weiter, sei aber auch nicht tragisch. „Es geht beim Pilgern schließ­lich nicht um Leistung, sondern um die Konzen­tration auf das Wesent­liche. Um ein Ausbrechen aus den gewohnten Denk- und Handlungs­mustern und darum, unterwegs zu sein mit Gott oder auf der Suche nach Gott.“

Dass die Pilgerinnen und Pilger bei ihrem Kurz­auf­ent­halt in Otter­stedt offenbar sehr zufrie­den waren, bewei­sen derweil Auszüge aus dem Gäste­buch: „Ich habe mich wie zu Hause gefühlt. Am wohl­tuend­sten war das mir entgegen­gebrachte Vertrauen“, schrieb etwa Maren aus Hamburg. „Das Haus war offen, einladend. Töpfe standen bereit und eine Schüssel für geplagte Pilger­füße. Ein Besuch in der Kirche gab mir meinen Seelen­frieden wieder“, lobte derweil Margitta aus Lübeck.

Und Albrecht, ebenfalls aus Lübeck, dankte für den Kuchen, den er zur Begrü­ßung serviert bekam. Dieses Trio dürfte Otter­stedt auf jeden Fall mit einem guten Gefühl in Richtung Bremen verlassen haben.

←   zurück

 

Quelle:    dieser Artikel von Lars Köppler
wurde veröffentlicht in der  WÜMME-ZEITUNG  am 31.12.2016

Otterstedter Martinskirche trägt jetzt auch die Bezeichnung „Pilgerkirche“
Markiert in:         

Kommentar verfassen