Kathi fragt am 26.7.2017:   „Hallo zusam­men! Mich hat das Camino­fieber gepackt 🙂 Bin im Mai den Camino Frances gegan­gen und jetzt will ich im August/Sep­tember den Küsten­weg gehen. Hat jemand von euch Erfah­rung mit dem Küsten­weg? Was wird mich (Tempe­ra­tur­mäßig) erwar­ten?! Wetter? Regen? Kann ich meinen Pilger­aus­weis gleich weiter ver­wenden oder brauche ich einen neuen? Freue mich auf einen regen Aus­tausch!! 🙂  ..  wie sieht’s mit Alber­guen aus?! Sind wahr­schein­lich nicht ganz so häufig wie am Frances aber oft genug zu finden, oder?! Ich will ohne Zelt auskom­men ..  ich möchte da eh spon­tan sein und bleiben! Werd mir das Out­door­buch schon mit­neh­men, aber net mehr!“

Bilder und Eindrücke vom „Camino del Norte“, der Küsten-Jakobsweg an Spaniens Nordküste

Hallo Kathi.   Der Camino de la Costa (Camino del Norte) ist ein wunder­barer Weg. Eine tolle Entschei­dung. Von wo möch­test Du deinen Weg starten? Ab Irun? Bilbao? Santan­der? Wie viel Zeit hast Du? Soll es der Weg bis nach Santiago werden? Oder ein Teilstück?

Der August ist Haupt­reise­zeit der Spanier

Folglich sind auch auf diesem Weg mehr Pilger unter­wegs als zu ande­ren Zeiten. Das ist aber über­haupt KEIN PROBLEM ! Denn auf dem Küsten­weg gibt es wäh­rend der Sommer­monate zusätz­liche Pilger-/Not­unter­künfte (bspw. in Sport­hallen). Einen Pilger­führer mit­zu­nehmen macht in meinen Augen Sinn (bspw. Outdoor od. Rother). Schon allein, um Weg­ver­lauf und Ent­fer­nun­gen abschät­zen zu können. Alter­native für Geübte mit Smart­phone ist bspw. GRONZE.com  (siehe auch unten).

Credencial del Peregrino

Solltest Du noch viel freien Platz in deinem Creden­cial haben, kannst Du selbst­ver­ständ­lich dieses weiter nutzen. Soll­test Du auf dei­nem letz­ten Weg schon in Santiago ange­kom­men sein, empfinde ich per­sön­lich es schön, in einem neuen Pilger­pass den neuen Weg zu doku­men­tieren. Ich erin­nere mich gerne an meine einzel­nen Wege, und das ist anhand des Creden­cial eine schöne Sache. Also auch hier gilt: mach es, wie Du es magst.

Regen macht mich nicht nass!

Ein Regenponcho macht Sinn. Wenn­gleich es durch­aus sein kann, dass Du ihn nur sel­ten benö­tigst. Mitneh­men ist jedoch mind. bei einem mehr­wö­chigen Trip Pflicht. Denn einmal bis auf die Haut nass geworden min­dert den Spaß am Pil­gern erheblich.

Wie wird das Wetter?

Ein leidliches Thema. Wie wird das Wetter am 15. August sein? Oder wann wird es wieder schneien? Ich weiß es nicht. Smile. Ten­den­ziell ist es im August/Sep­tem­ber an Nord­spa­niens Küste som­mer­lich warm. Es mag mal Wolken- und Regen­felder geben, die dann häufig aber durch den Küsten­wind auch schnell wieder verscho­­ben werden können. Jedoch, – das Wetter spielt verrückt. So wie es momen­tan in Süd­eu­ropa kochend heiß ist, in Tei­len Deutsch­lands der­zeit Bäche über die Ufer treten und Innen­städte in kleine Seen­land­schaften verwandeln  …  wer weiß, wie das Wetter sein wird?

Kleidung

Bei der Kleidung ist eigentlich immer Zwiebeltechnik und Mehr­fach-Nutzen gefragt. Ich würde mich vermut­lich auf som­mer­lich einstel­len, Regen­poncho, ggf. ultra­leichte Gama­schen, Wachs für Leder­schuhe, Son­nen­­hut, ein Fleece od. besser Weste mit Arm­lingen, eine Zipp­hose und Iso­matte einpacken.

Richtig ist:   während und nach einer Reise weiß man es immer besser.

Schuhwerk

Ich habe während der warmen Monate im Jahr bessere Erfah­rungen mit Voll-Leder­schuhen (HanWag Canyon II od. ähnl. halb­hohe Leicht­wan­der­stiefel). Diese sind gewachst/ge­fet­tet regen­taug­lich. Stiefel mit GoreTex-Mem­brane sind eher etwas für die kalte Jahres­zeit. Der Grund:  damit GoreTex funk­tion­ieren kann (Abgabe von Wärme und Feuch­tig­keit aus dem Schuh nach außen) ist ein größe­rer Tempe­ratur­unter­schied erfor­der­lich. Der Unter­schied von Schuh­innen- zu Außen­temp­eratur im som­mer­lichen Spanien reicht in der Regel dafür nicht.

Folge:  die Feuchtig­keit bleibt im Stiefel und weicht die Haut am Fuß auf, welches die Blasen­bildung begünstigt. Aber diesbezüglich gilt wie bei fast allen Fragen zum Pilgern und Lebens­lagen:  „frage zwei Weise und Du erhältst drei Antworten“.

Am besten ist es immer, man entschei­det sich und probiert es aus.

Auch eine Erfahrung:

Je älter man wird, desto mehr Gedanken macht man sich über die Dinge. Warum? Hat man doch gesehen, gehört und viel­leicht auch erlebt, was alles pas­sie­ren könnte.  Wahr ist aber auch:  nicht alles passiert (wieder) und vor allem nicht (immer) mir.

Also mache ich es oft und gerne den jungen Menschen gleich: einfach auspro­bieren – oder wie wir Alten sagen: einfach mal leben.

Und noch eine Erfahrung:

Egal was unterwegs auch passieren mag, es ging bisher immer weiter – und am Ende war immer alles gut. Ich habe gelernt, dass es auf dem Jakobs­weg immer einen Ausweg gab, auch wenn eine Situation einen Augen­blick lang völlig aussichts­los schien. Wichtig war und ist die Bereit­schaft, eine Lösung als solche zu erken­nen und auch einmal um Hilfe zu bitten und diese anzunehmen.

Diese Zuversicht ist das Geschenk, das ich von meinen zahl­rei­chen Wegen mitge­bracht und in meinen Alltag übernom­men habe.

In diesem Sinne, liebe Kathi. Du hast bereits auf dem Camino Francés deine Erfah­rungen gemacht. Diese kannst Du nun auf dem vor Dir liegen­den Weg nutzen und ergänzen. Viel Freude auf deinem Weg.

Buen Camino. LG aus Bremen.

 

Informationen, Kartenmaterial, Entfernungsangaben, Höhenprofil und Unterkunftslisten zum „Camino del Norte“ findet Ihr auf der Webseite des spanischen Anbieters gronze.com

 

von Kleidung, Schuhen und dem Wetter

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