Die neue Pilgersaison auf dem Jakobs­weg läuft an

Für die Her­berge „Casa Pader­born“ in Pamp­lona hat der Pader­borner Freun­des­kreis der Jako­bus­pilger die kom­men­den Leiter geschult – direkt am Ort des Gesche­hens. Denn wenn es in Pamp­lona um die Auf­nahme von Pil­gern in der Her­berge „Casa Pader­born“ geht, über­lässt der Freun­des­kreis der Jakobus­pilger nichts dem Zufall.

Ehrenamtliche Hospitaleros

Alle Ankömm­linge, die sich wäh­rend der nun im März begin­nen­den Pilger­saison zur Über­nach­tung dort ein­fin­den, schlep­pen ihren Ruck­sack voran, aber auch das persön­liche Päck­chen des Lebens. Da kommt bis Ende Okto­ber eine ganze Menge Arbeit auf die alle drei Wochen wech­seln­den Frei­wil­li­gen­teams der Herbergs­leiter zu: organi­sa­torisch, psycho­lo­gisch, sprach­lich. „Man muss auch Seel­sorger sein, ebenso Kran­ken­pfleger, Koch, Gärt­ner, Abfall­ent­sorger“, bringt es der Pader­borner Detlef Brinkmann, 60, auf den Punkt.

In Pamplona werden die ehrenamtlicher Helfer für die Herberge geschult. Da sind auch zahlreiche Paderborner dabei.

Saubere Sache:  Die „Hospitaleros“ Hervé Legrand aus Paderborn (l.) und Arno F. Kehrer aus Frankfurt vor einem der wichtigsten Einrich­tungs­gegenstände in der Casa Paderborn in Pamplona: dem Wäschetrockner.      © Andreas Drouve
Etwas zurückgeben

Brinkmann, kaufmännischer Ange­stell­ter im Ruhe­stand, zählt zu jenen, die sich über den Freun­des­kreis in der „Casa Pader­born“ gewis­sen­haft auf ihre ansteh­enden Auf­gaben vorbe­reitet haben: mit einem Spanisch- und Ein­wei­sungs­kurs sowie dem eingeh­enden Austausch der „Hospi­taleros“ und „Hospi­taleras“ untereinander.

„Hospitaleros“ und „Hospitaleras“, das sind die spani­schen Bezeich­nungen für die Pil­ger­her­bergs­leiter und -leite­rinnen, auf deren Schul­tern ein gewich­tiger Teil des Wall­fahrts­wesens lastet. Die meisten von ihnen sind selbst schon als Jakobs­pilger unter­wegs gewesen, so wie auch Detlef Brink­mann, und haben die Aufnah­men in Her­bergen geschätzt. Nun wollen sie auf diese Weise etwas als Dank zurückgeben.

Das beginnt mit einem Lächeln, wenn Erschöpfte die Herberge betre­ten. Das setzt sich fort mit einem Schluck Wasser, den man anbietet, mit kleinen Tipps und Hilfen. Oder einem offe­nen Ohr, falls man spürt, dass Pilger bei ihren Sorgen, Ängsten oder Nöten Ansprache brau­chen. Zuhö­ren zu kön­nen, die rich­tigen Worte zu finden, mit Finger­spit­zen­gefühl Unter­stüt­zung anbieten – all das ist immens wichtig.

Kein entspannter Urlaub
Erfahrene Helferinnen: Monika Löhr (l.), Mitglied des Vorstands des Freundeskreises der Jakobuspilger Paderborn, und Rita Wittenbreder aus Bielefeld.     © Andreas Drouve

Die Arbeitstage, das ist jedem bewusst, sind lang und hart. 17, 18 Stun­den, von früh mor­gens um fünf Uhr bis in die späten Abend­stun­den. Ehren­amtler wie den Pader­bor­ner Hervé Legrand, 71, einen pen­sio­nier­ten Export­kauf­mann, und den Pader­bor­ner Manfred Kindler, 68, der vormals in der Tele­kom­mu­ni­kation tätig war, schreckt das nicht ab.

Und auch die Paderbornerin Monika Löhr, 70, weiß, dass sie bei ihrem Einsatz alles andere als ein entspannter Urlaub in Nord­spanien erwartet. Löhr ist Vorstands­mit­glied im Freun­des­kreis der Jakobus­pilger, der auf der Home­page deutlich macht, um welch „for­dernde und verant­wortungs­volle Aufgabe“ es sich han­delt. Jeder Frei­wil­lige sollte physisch und psychisch belast­bar sein, heißt es weiter. Die Nach­frage, sich einzu­bringen, ist erstaun­lich groß. Es gibt sogar Warte­listen von Interes­senten, die auf ihren Einsatz in der Herberge hoffen.

Mitglieder und Sympathi­santen des Pader­borner Freundes­kreises der Jakobus­pilger leben nicht nur in und um Pader­born, son­dern auch im Rhein­land und Ruhr­gebiet, sogar in Nord­deutsch­land, Frank­reich und der Schweiz. Die Diskus­sions­runde in der „Casa Pader­born“ ließ keinen Zweifel an der Rolle des Herbergs­gast­gebers: Man muss die Men­schen so behan­deln, wie man selbst behan­delt werden will. Pil­gern solle man das Gefühl geben: Hier ist heute dein Zuhause. Detlef Brink­mann, der als „Hospi­talero“ bereits Erfah­rung gesam­melt hat, appel­liert daran, sich selbst nicht zu über­schätzen und die komplexe Tätig­keit nicht zu unterschätzen.

Die „Casa Paderborn“ ist kein Massen­quartier, son­dern verfügt über ledig­lich 26 Betten, aufgeteilt in mehrere Gemein­schafts­zimmer. Die Herberge liegt am Stadt­rand von Pamp­lona über den Ufern des Flusses Arga.

Bis heute haben über 50.000 Pilge­rinnen und Pilger Unter­schlupf gefun­den und frische Kräfte getankt; ab der Her­berge feh­len noch fast 750 Kilo­meter bis zum Sehn­suchts­ziel San­tiago de Com­po­stela. Pilger, so heißt es oft, kom­men vom Jakobs­weg nicht als jene zurück, als die sie aufge­brochen sind. Das gilt auch für „Hospitaleros“ und „Hospitaleras“.

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Quelle:    Dieser Artikel von Andreas Douvre wurde
in NEUE WESTFÄLISCHE veröffentlicht am 15. März 2018

Casa Paderborn bereitet sich auf die Pilgersaison am Jakobsweg vor
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