Wie sich Gabriele Schmid aus Druisheim einen Traum erfüllt hat, warum sie jetzt ihr drittes Buch schreibt und wie ihre neuen Pläne aussehen.

Gabriele Schmid ist auf dem Jakobsweg gepilgert. Zwei Bücher sind dabei entstanden; jetzt schreibt sie an ihrem dritten.   © Bild: Helmut Bissinger

Alle waren sie dort: der Brasilianer Paulo Coelho, der Deutsche Hape Kerke­ling ebenso. Der Jakobs­weg nach San­tiago de Com­po­stela zieht Pilger in Scharen nach Spanien. Und die Veröf­fent­lichun­gen zu dem berühm­testen aller Pilger­wege schießen wie Pilze aus dem Boden. Gabriele Schmid aus dem Mertinger Orts­teil Druisheim sitzt derzeit an ihrem dritten Buch, das sie über den Jakobsweg schreibt. Ihre Bücher, so bestät­igen ihre Anhänger, unter­scheiden sich von den anderen, weil sie den Leser mit­fühlen lasse.

Gabriele Schmid fühlt sich von einer spiri­tuellen Kraft gelei­tet. „Mein Schutz­engel führt mich und lei­tet meinen Stift“, sagt die 52-jäh­rige Einzel­han­dels­kauf­frau und zeigt auf die Karte. So wie sie schreibt, kann sie auch erzäh­len: leben­dig, emo­tional und sich an jedes Detail erin­nernd. Voller Begei­ste­rung hat sie den Film „Dein Weg“ gesehen, Gabriele Schmid ist verhei­ratet und Mutter von zwei erwach­senen Söhnen. 2009 hat sie ihre Mutter zu einem Vortrag nach Mertingen mit­ge­nom­men. Das Thema: der Jakobs­weg im Norden Spaniens. „Bis dahin hatte ich noch nichts, einfach gar nichts, über diesen Pilger­weg gewusst“, blickt sie zurück. Aber nach dem Abend, bei dem nicht ein einzi­ges Bild gezeigt wurde, stand für sie fest: „Ich muss dahin zum Pilgern.“

Ihr Mann war damals zwar etwas überrascht, ermun­terte jedoch: „Wenn das dein Ziel ist, dann geh!“ Und auch der Chef zeigte Verständ­nis, dass sich seine Mit­ar­bei­terin eine sechs­wöchige Auszeit neh­men wollte. „Wenn man so einen Traum hat, dann muss man das machen, so lange man das tun kann“, lautete der Kom­mentar. Und so zog die Mutter vor sechs Jahren erst­mals los, nicht ahnend, wie sehr sie dieser Pilger­weg in den Bann neh­men werde. Inzwi­schen war sie drei­mal dort – die vierte Reise ist bereits in Planung.

Nach der Rückkehr von ihrer Pilger­wan­derung sei etwas Über­raschen­des pas­siert, eine ziem­lich verrückte Geschichte, wie Schmid anmerkt: „Der Schutz­engel, der mich grandios gelei­tet hat, sagte zu mir, dass ich ein Buch schrei­ben soll.“ Und so entstan­den 480 handge­schrie­bene DIN-A4-Seiten, die in das Buch „Die Wunder des Camino“ mün­deten. Wenn sie darin heute lese, frage sie sich: „Das soll ich geschrie­ben haben?“ 2013 machte sich die Verkäu­ferin eines Mertinger Fach­marktes dann ein zweites Mal auf den Jakobs­weg. Daraus wurde das Buch „Den Schutz­engel im Rucksack“. Im vergan­genen Herbst folgte die dritte Wan­derung. 897,3 Kilo­meter war sie dabei – in Frank­reich startend bis an die Küste bei Santiago de Compo­vstela unter­wegs – von Schmerzen beglei­tet. „Das war hart“, blickt sie zurück „und sei nicht ohne Blessuren abgegangen.“

Die ersten 200 Seiten hat Gabriele Schmid bereits geschrie­ben. „Im Moment bin ich in Burgos“, lacht sie. Es sind die kleinen Geschich­ten, die Begeg­nungen, an die sie sich darin erin­nert, aber auch an die Verän­de­rungen: „Es gibt im­mer mehr Spaß­pilger, die ihre Unter­künfte vorher schon reser­vieren und am Abend Party machen.“ Mit Pil­gern im stren­gen Sinne habe dies nicht viel zu tun.

Gabriele Schmid beschreibt ihre Ergrif­fen­heit bei der Ankunft am Grab des Apostels Jakobus in San­tiago de Com­po­stela. Und ihren weiten Weg ans Ende der alten Welt von Finis­terre und Muxia. Die Beschrei­bungen der Frau sind poetisch. Sie lässt den Leser mit­gehen, erzählt von der Grenz­erfahrung, sowohl psychisch wie auch physisch, aber auch von dem zufrie­denen Gefühl, wenn sie die anderen raunen hörte „Das ist noch eine Tradi­tionelle“. Will heißen: eine Pil­gerin, die ihren Ruck­sack selber trägt, und ihn nicht mit dem Service­wagen zur nächsten Station schickt. Eine Frau, die ihre Herber­gen auf gut Glück aufsucht und nicht schon alles vorher durch­ge­plant hat. „Denn ich laufe, soweit mich meine Füße jeden Tag tragen.“

„Es ist ein Geschenk, diesen Weg gehen zu dürfen. Und es ist eine Gnade, in San­tiago anzu­kom­men“, sagt Schmid. Mittler­weile gibt es viele Routen, die zum End­punkt führen. Welche sie das nächste Mal wählt, voraus­sicht­lich 2019, will Schmid noch nicht verraten. Ihr Schutzengel wird sie geleiten.

←  zurück

 

Quelle:    Dieser Artikel von Helmut Bissinger wurde veröf­fent­licht in der AUGSBURGER ALLGEMEINE am 4. April 2018

Mit dem Schutzengel auf dem Jakobsweg

Kommentar verfassen