«Es war Christa, die ihren Mann Martin für das Pilgern auf dem Jakobs­weg begei­ster­te. Am Sonn­abend bietet er eine zwölf Kilo­meter lange Tour von der Truper Kapelle zum Bremer Dom an.

Quer durch Bremen führt die Via Baltica, ein Zweig des berüh­mten Jakobs­wegs. Martin Gottschewski beglei­tet am Sonn­abend Pilger von Lilien­thal zum Dom der Hansestadt.   (© Christina Kuhaupt)
Was würden wir tun, hätten wir genügen Geld?

Die Idee entstand aus einem Spaß heraus: Was würde man tun, wenn man so viel Geld zur Verfü­gung hätte, dass man es in die­­­sem Leben nicht mehr aus­ge­ben könnte? Wenn Geld über­­­haupt kei­ne Rolle mehr spie­len würde? Christa und Martin Gottschewski hatten ver­schie­­dene Ein­fälle. In einem waren sie sich sicher und einig: Sie wür­den ein­fach ihre Haus­­tür ab­schlie­­ßen und gehen. Den Jakobs­­­weg ab Bremen. Auf dem Weg würde ihnen dann schon ein­­fal­­len, wie sie den Rest ihres Lebens gestal­­­ten würden. Irgend­wann ging ihnen ein Licht auf: Zum Wan­dern braucht man ja nicht viel Geld. Die Idee setz­ten sie trotz­dem um. Im Jahr 2013 war das Paar sieben Monate zu Fuß unterwegs.

Seit mittlerweile 14 Jahren wandert Martin Gottschewski auf dem Jakobs­weg, oft gemein­sam mit seiner Frau. Sie war es auch, die ihn für das Pil­gern begei­sterte, als die beiden sich ken­nen­lern­ten. „Ich sagte: Das interes­siert mich nicht, mit Ruck­sack zu laufen und nicht zu wis­sen, wo ich eine Toilette finde und wo mein Bett ist“, erinnert sich der 55-Jährige.

Doch was tut man nicht alles, wenn man frisch verliebt ist? Das erste Mal hat es ihm kei­nen Spaß gemacht, aber er führt Dinge gern zu Ende. Nach wei­te­ren Reisen folgte die große Auszeit: Das Paar verkaufte seine Woh­nung und pilgerte von Bremen bis an die Nord­west­küste Spaniens. Und zwar auf die ursprüng­liche Weise: Direkt von der eige­nen Haustür bis zur Kathe­drale in Santiago de Compostela.

Der Jakobsweg

Abertausende Frauen und Männer wandern den berüh­mten Jakobs­weg quer durch Spanien nach Santiago de Compo­stela, fast 800 Kilo­meter sind es, die auch den bekann­ten TV-Enter­tainer Hape Kerke­ling im Jahr 2001 nach Spanien führ­ten. Die Pilger­route ist berühmt und wird im­mer belieb­ter. Was kaum bekannt ist: Ein Jakobs­weg führt auch durch Bremen.

„Viele den­ken im­mer noch, zum Jakobs­pilgern müsste man nach Spanien gehen“, sagt Martin Gottschewski. Im Mittel­alter war Bremen ein wich­tiger Pilger­ort, hier lagen die Reli­quien der Arzt-Heiligen Cosmas und Damian in einem golde­nen Schrein, der heute der Münchener Michaels­kirche gehört. Zudem war Bremen ein Import­hafen für Bordeaux-Wein, weshalb eine gute See­ver­bin­dung nach Frank­reich bestand, die Pilger nutzen konnten.

Der Jakobsweg durch Bremen

Doch auch heute kommen regel­mäßig Pilger auf der Via Baltica durch die Stadt. Die Via Baltica führt durch den Bürger­park bis zum Dom und weiter am Ufer des Werder­sees hinaus aus der Stadt bis nach Osna­brück. In Bremen bitten die Pilger bei der Dom­ge­meinde um Unter­kunft und einen Stempel in ihrem Pilger­ausweis.

Der Bremer Martin Gottschewski, Beauf­trager für Nord­deutsch­land in der Deut­schen St.-Jakobus-Gesell­schaft e.V., sieht in dem Jakobs­weg durch Bremen als einem Teil des europaweiten Jakobs­wege­netzes einen wichti­gen Beitrag für die Verstän­di­gung unter­ein­ander, weit über die Gren­zen hinweg. „Der Weg in Nord­deutsch­land stellt eine Verbin­dung zwischen zwei großen Gewäs­sern“, sagt er. „Von der Ostsee bis zum Atlantik.“

Gottschewski ist auch für die Ausschil­derung des Jakobs­weges im Groß­raum Bremen zustän­dig. Das unver­kenn­bare Symbol ist die gelbe Jakobs­muschel, das ist die offi­ziel­le Wege­mar­kie­rung der Deut­schen St.-Jakobus-Gesell­schaft. Und dann gibt es noch einen runden, blauen Sticker mit einem gelben Pfeil. Die Weg­mar­kie­rung werde organi­siert durch Ehren­amt­liche, erklärt Gottschewski. Gemein­sam mit einer Kolle­gin geht er als Wege­wart mindes­tens zwei­mal im Jahr die Strecke von Zeven über Bremen bis Wildes­hausen ab. Er prüft dabei vor allem, ob noch genügend Hinweise vorhan­den sind. Das Ziel: Pilger sollen den Jakobs­weg ganz ohne Reise­führer oder GPS finden können.

Gottschewski sagt von sich selbst, er sei nicht religiös unterwegs. Er sieht das Pilgern viel­mehr als ungeahnte Chance für Freund­schaften über Grenzen hinweg, und als Aus­gleich zu sei­nem Arbeits­all­tag. Die Jakobs­pilger organi­sieren und helfen sich meistens selbst. Wege­wart Gottschewski beglei­tet manch­mal Pilger auf dem Weg durch Bremen. Für diesen Sonn­abend, 14. April, bietet er eine zirka zwölf Kilo­meter lange Wande­rung von Lilien­thal zum Bremer Dom an. Jeder kann mit­gehen, und ganz unabhängig von der Religion.

Einladung für jeden

Die Tageswanderung beginnt um 10 Uhr an der Truper Kapelle und umfasst Pausen und Unter­brechun­gen. Die Via Baltica führt auf dem Jan-Rei­ners-Weg über die Wüm­me-Brücke und weiter über den Borg­fel­der Deich, vorbei am Land­gas­thof Heuer, am Kreuz­deich, Am Lehes­ter Deich, vorbei am Hof Stein und am Land­haus Kuh­siel auf den Kuh­gra­ben­weg, vorbei am Kuh­graben­see über die Auto­bahn, vorbei am Restau­rant Zum Platz­hirsch, über den Hoch­schul­ring, am Stadt­wald entlang und anschlie­ßend durch den Bürger­park, ab dem Stern über die Park­allee, durch den Friedens­tunnel, geradeaus über Remberti­straße und durch die Wall­anlage und die Unter­füh­rung auf den Bremer Markt­platz und zum Sankt-Petri-Dom. „Unter­wegs wer­den wir den Weg durch zwei oder drei kurze Pausen unter­brechen, mindes­tens eine Schweige­phase anregen und für eine Essens­pause in der Wald­bühne im Bürger­park einkehren“, kündigt Gottschewski an.»

 

 

Fred

Hallo liebe Jakobswegfreunde.

Vielleicht habt auch Ihr Lust die Pilger­weg­freunde hier in Nord­deutsch­land zu unter­stüt­zen, treffen, mitzu­machen und sich zu bewegen.

Kaum ein Hobby oder ehren­amt­liche Tätig­keit verbin­det sich so gelun­gen mit dem, was einem selbst Freude berei­tet – und man sich zudem auch noch in der Natur bewegt. Unabhän­gig davon was und wie Du glaubst, welcher Reli­gion du ange­hörst, ob Du schon auf einem Jakobs­weg unter­wegs warst oder dich dafür interes­sierst, Du bist herz­lich will­kom­men. Für die, die bereits auf einem der Jakobs­wege unter­wegs gewesen sind ist es zudem eine tolle Mög­lich­keit, den Weg ein Stück näher an den Alltag und in das eigene Leben hier zuhause zu bringen.

Melde dich  gerne bei uns, erst einmal völlig unver­bind­lich. Bis gleich!

Euer

 

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Quelle:   Dieser Artikel von Irene Niehaus und Alice Echtermann wurde veröffentlicht in der WÜMME-ZEITUNG am 12. April 2018

Pilgern von Trupe zum Bremer Dom

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