Bitten um Spenden für die Freunde in Tui:  Oswaldo Fernandez Muniz (von links), Jennifer Oldach von der Stadt, Oscar Gonzalez Alen, dessen Familie in Tui alles verloren hat, Juan Manuel Alvaz Vieites vom FC Espanol Versmold, Eva Vieites Fernández vom Freundeskreis und Bürgermeister Michael Meyer-Hermann.      (© Silke Derkum-Homburg)

Spendenaufruf nach Tragödie in Tui

Eine Woche liegt die schwere Explo­sion des Feuer­werks­lagers in Vers­molds spani­scher Part­ner­stadt Tui nun schon zurück. Doch wenn Eva Vieites Fernán­dez beschreibt, was sie vor Ort gesehen hat, stei­gen ihr sofort wie­der die Tränen in die Augen. Direkt am näch­sten Tag, nach­dem die Nach­richt von dem verhee­ren­den Unglück per Tele­fon Vers­mold erreicht hatte, hatten sie und ihre Mutter sich ins Flug­zeug gesetzt, um sich vor Ort ein Bild von dem Schaden zu machen. „Es wollte uns nie­mand ein Foto schicken“, sagt sie. Vermut­lich, weil die Wirk­lich­keit die Fantasie noch übertrifft.

Denn was sie vor Ort sah, glich einem Kriegs­schau­platz. Trotz­dem sieht Eva Vieites, deren Familie in Vers­mold ein Geschäft mit spani­schen Spezia­li­täten betreibt, das Glück im Unglück. „Wir haben mate­riel­len Schaden, aber der lässt sich beheben und wir sind zum Glück versichert. Andere hat es viel här­ter getrof­fen“, sagt sie.

Familie von Versmolder Koch ist mit am schlimmsten betroffen

Einer davon steht direkt neben ihr im Vers­molder Rat­haus. Es ist Oscar Gonzalez Alen, Koch und Mit­in­haber der Tradi­tions­gast­stätte Bröcker. Er hat am vergan­ge­nen Mitt­woch einen wahren Alb­traum durch­lebt. „Um 16.30 Uhr rief mich meine Mutter ganz panisch aus Tui an; sie weinte und war ganz aufge­löst, verab­schie­dete sich von mir und sagte, ich solle auf mich auf­pas­sen“, erzählt er. Der 44-Jäh­rige verstand nicht, was los war. Seine Mutter konnte ihm gerade noch mit­tei­len, dass neben­an eine riesige Explo­sion im Gange sei und sein Vater verschwun­den sei. Dann brach die Verbindung ab.

Verheerend: Vom Gebäude der Familie des Vers­mol­ders Oswal­do Fernan­dez Muniz ist nicht mehr viel übrig.   (© Foto: Fani Pérez Muniz)

Für Oscar Gonzalez folg­ten die zwei schlimm­sten Stunden seines Lebens, wie er sagt. Denn solange dau­erte es, bis er wieder Kontakt nach Tui bekam, und erfuhr, dass seine Eltern das Unglück über­lebt hat­ten, wenn­gleich sein Vater ins Kranken­haus musste. „Das Haus meiner Eltern steht direkt neben der Lager­halle und neben dem Haus, in dem das junge Ehepaar ums Leben kam.“ Die Eltern von Gonzalez haben zwar ihr Leben retten können, anson­sten aber alles verloren.

„Das Haus ist vollständig zerstört, der ganze Bereich ist abgesperrt und nie­mand darf hinein“, berich­tet Eva Vieites. „Nicht mal um Erin­ne­rungs­stücke an ihren verstor­benen Sohn herauszuholen.“

Auch die Familie des Versmolders Oswaldo Fernandez Muniz ist stark betrof­fen. Das Dach ihres Hauses ist zerstört, ebenso die angren­zende Scheune. Er selbst hat die Explo­sion nur um wenige Stunden verpasst. „Ich war vergan­gene Woche in Tui, um meine Familie zu besu­chen. Mitt­woch um 11 Uhr bin ich abge­reist, knapp fünf Stun­den später flog alles in die Luft.“

Angesichts der vielen Tragödien war für den Freun­des­kreis Tui sofort klar, dass er helfe will. Deshalb bittet er zusam­men mit der Stadt Versmold um Spen­den für die Freun­de in der Part­ner­stadt. Auch auf dem U 11-Turnier des SC Peckeloh, zu am heutigen Don­ners­tag eine Kinder­mann­schaft aus Tui anreist, wollen sie eine Spen­den­box aufstel­len. Der Fuß­ball­verein FC Espanol Vers­mold sammelt ebenfalls.

Es soll sorgfältig ausge­wählt werden, wem das Geld zugute kommen soll. „Wir wollen nichts über­stür­zen, in Tui ist man immer noch dabei den Schaden aufzu­neh­men und sich eine Übersicht über die 33 zerstör­ten Häuser zu verschaf­fen“, sagt Eva Vieites. Wenn dies geschehen sei, werde man das Geld dann den Fami­lien zukom­men lassen, die „wirklich alles verloren haben“, sagt sie.

Zwei Kinder haben ihre Eltern bei dem Unglück verloren

Mit Sicherheit werden darunter die beiden sechs- und 13-jäh­rigen Kinder sein, deren Eltern die Explo­sion nicht überlebt haben, und die so plötz­lich zu Waisen gewor­den sind. Auch die Familie des Vers­mol­ders Oscar Gonzalez, die mate­riell am schlimms­ten betrof­fen ist, soll unter­stützt werden. „Wir werden die Über­gabe der Spen­den genau doku­men­tieren und im Haller Kreis­blatt darüber berich­ten, damit jeder weiß, was aus seinem Geld gewor­den ist“, sagt Eva Vieites.

Die ganze Wucht der Explo­sion: Das Bild zeigt die Autos der Fami­lie des Vers­mol­ders Oscar Gon­za­les Alven und des getö­teten Ehe­paares.     (© Foto: Javier Gonzalez Alen)

Auch Versmolds Bürger­meister Michael Meyer-Her­mann ist tief betrof­fen und unter­stützt den Spen­den­aufruf. Er hatte direkt nach Erhalt der Nach­richt einen Brief an Tuis Bürger­meister geschickt, mit dem er vor weni­gen Wochen erst das fünf­jäh­rige Bestehen der Part­ner­schaft in Tui gefei­ert hatte. „Wir haben sofort unsere Hilfe ange­boten und war­ten nun darauf, was man in Tui braucht“, sagt er. Sicher werde sich die Stadt auch finanziell beteiligen.

Da viele der zerstörten Häuser nicht versichert waren, stehen deren Bewohner vor dem Nichts. „Wir hier in Deutsch­land kön­nen das nicht nach­voll­ziehen“, sagt Vieites. Aber in der Region Galicien, mit einer Arbeits­losen­quote von über 15 Pro­zent, reiche es bei vielen hinten und vorne nicht. „Geld für Versiche­rungen, die wesent­lich teurer als in Deutsch­land sind, haben da die wenigsten.“

Spenden (wichtig: Kennwort Tui) werden über das Konto der evan­ge­li­schen Kirchen­gemeinde Versmold unter DE 85 478 533 55 00000 448 75 weiter­geleitet. Spenden­quit­tungen können ausgestellt werden.

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Quelle:    Dieser Artikel von Silke Derkum-Homburg wurde im Haller Kreisblatt veröffentlicht am 1. Juni 2018

Spendenaufruf nach Tragödie in Tui
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