Eine kleine Geschichte

Sie fragte ihn:  „Zu welchem Preis verkaufst du die Eier?“ Der alte Verkäufer antwortete:  „Ein Ei kostet 0.25 €, Madame.“

Sie sagte zu ihm:  „Ich werde 6 Eier für 1,25 € nehmen oder ich werde gehen.“ Der alte Verkäufer antwor­tete:  „Bitte nehmen Sie die Eier zum gewünsch­ten Preis. Viel­leicht ist das ein guter Anfang, weil ich heute noch kein einziges Ei verkaufen konnte.“

Sie nahm die Eier für 1,25 € und ging mit dem Gefühl des Gewinners davon. Sie stieg in ihr flottes Auto und besuchte wenig später mit ihrer Freun­din ein schickes Restau­rant. Dort bestell­ten sie und ihre Freun­din, was immer sie woll­ten. Sie aßen ein wenig und ließen viel von dem, was sie bestellt hatten, stehen. Dann verlang­ten sie die Rech­nung. Das Essen kostete sie 95,00 €. Sie gab 100,00 € und sagte dem Besit­zer des Restau­rants, er möge das Rückgeld behalten.

Was will und kann uns diese Geschichte erzählen?

Die Reaktion der Dame mag für den Restaurant-Besitzer ziem­lich normal gewesen sein. Für den Eier­ver­käufer auch? Viel­leicht. Schmerzlich.

Ich bin gefragt worden: „Warum zeigen wir immer, dass wir die Macht haben, wenn wir von Bedürf­tigen kaufen? Warum fühlen wir uns überlegen und stark, wenn unser Gegenüber auf uns eher schwach wirkt? Und warum werden wir groß­zügig bei jenen, die unse­re Groß­zü­gig­keit nicht wirklich brauchen?“

Ich habe mal irgendwo gelesen: „Mein Vater hat von armen Leuten einfache Waren zu hohen Prei­sen gekauft, obwohl er sie nicht brauchte. Manchmal bezahlte er sogar extra dafür. Ich war von diesem Verhalten irritiert und fragte ihn, warum er das mache? Dann antwor­tete mein Vater: „Es ist Wohltä­tigkeit – verpackt in Würde.“ ♥️

Wohltätigkeit – verpackt in Würde

Es lohnt darüber nachzudenken. Ich werde mir mal wieder dazu Gedanken machen. Wie gehen wir mit unse­ren Mitmen­schen um? Ohne es auszusprechen, fängt es nicht bereits mit dem ersten Eindruck an, den wir uns über einen anderen zugestehen? Wie sehen wir andere? Wie sehr erken­nen wir deren Fähig­keiten? Schätzen wir eine andersartige Persön­lich­keit?

Grundlegendes und unser Handeln reflek­tieren, die Menschen und Dinge um uns herum nicht selbst­ver­ständ­lich nehmen. Viel­­leicht bietet uns das bevor­­stehende Wochen­­ende ja wieder einmal eine Chance dazu. Was meinst Du? Ich werde mir die Zeit nehmen.

Euer

Was ist es mir wert?
Markiert in:

Kommentar verfassen